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Lesetipp Februar 2007

Meine Empfehlung im Februar ist ein Roman, den ich bereits vor einigen Jahren gelesen habe, aber neulich wieder in der Hand hielt. Recht schnell konnte ich mich wieder an die Handlung erinnern und auch daran, wie mich der Roman gefesselt hat. Es ist ein zeitloses Buch, was ich jedem uneingeschränkt empfehlen kann: Sandor Marai: Die Glut (Piper / 224 S.)

Sandor Marai erzählt die Geschichte einer Freundschaft. Sie offenbart sich durch eine kurze Erzählung am Beginn des Romans und wird fortgeführt als Monolog eines alten Mannes, der seinen alten Freund nach 41 Jahre zur Rede stellt.

Marai gelangt ohne lange Umwege zum Kern der Geschichte, dem Treffen der alten Freunde. Die Erwartung ist groß und der Leser wird in die klassische Krimisituation hineinversetzt, bei der der Detektiv vor der Auflösung des Falles die Hauptbeteiligten versammelt hat und nun Mosaik für Mosaik des Falles zusammensetzt. Doch statt der Auflösung beginnt Marais eigentliche Erzählung. Mit Wortgewalt und Glut redet der alte Mann auf seinen ehemaligen Freund ein. Er spricht über Freundschaft, große Gefühle, über Einsamkeit und grenzenlose Leere. Der Leser fühlt sich wie ein Radrennfahrer auf einer Bergetappe. Nach der nächsten Biegung glaubt er sich am Ziel, doch das Rennen geht weiter - es folgt Kurve auf Kurve, ohne dass die letzten Meter in erreichbare Nähe rücken.

Einiges im Roman klärt sich langsam auf, vieles bleibt jedoch verborgen. Auch wenn vielleicht nicht die gesamte Neugier befriedigt wird, ist die restlose Aufklärung nebensächlich. Denn spätestens jetzt wird klar, dass Marai die Spannung nicht für einen Krimi oder Thriller aufgebaut hat. Vielmehr hat er einen Gefühlsroman geschrieben, der sein Rampenlicht auf die Personen richtet und die Geschehnisse im Halbschatten belässt. Marai beschreibt das Leben, in der für jede gewonnene Antwort neue Fragen entstehen.