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LeseTipp Juli / August 2007

Für den Sommer könnte von Marcia Rose: ?Die Schamanin? (Goldmann/ 607 S.) das richtige Lesefutter sein. Eine etwas leichtere aber abwechslungsreiche Kost. Die New Yorkerin Marcia Rose arbeitete jahrelang in einem Krankenhaus, weshalb ein Schwerpunkt ihrer Bücher die Medizin und die Krankenpflege bildet. Die Originalausgabe erschien 1998 unter dem Titel ?A Time to heal?.

Die ?Moigu? ? Schamanin - eines indianischen Stammes verfügt über das Wissen vieler Heilmethoden und sie kennt die Wirkung zahlreicher Kräuter und Naturheilmittel. Diese Kenntnisse gibt sie an einen ihrer weiblichen Nachfahren weiter. Eine dieser Nachfahren, die in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts zur Welt kommt, wird zur Hauptperson des Romans. Sie erhält ebenfalls ihr Wissen von ihrer Mutter und ist versessen darauf Ärztin und Heilerin zu werden. Doch die Zeiten haben sich in Nordamerika für die Indianer dramatisch verändert. Der Lebensweg der jungen ?Moigu? ist beschwerlich. Sie versucht sich in einer weißen Männerwelt zu behaupten, die immer weniger übrig hat für die heilerischen Kräfte der Natur und für die ein weiblicher Arzt zudem eine freche Abnormität darstellt.

Marcia Rose ist keine filigrane Textschöpferin, aber sie versteht das Handwerk des Unterhaltungsromans. Ihre Sätze erreichen den Leser meist ohne Schnörkel, direkt und ungeschminkt. Sie gleitet nicht wie so viele ihrer Kollegen ins kitschige oder triviale ab. Roses verabscheut Tabus und lässt deshalb ihre Heldinnen mit Konventionen und Etiketten aufräumen.

Dennoch und vielleicht gerade deshalb ist die Geschichte der Schamanin nicht kalt und nüchtern, sondern fesselnd und teilweise sogar anrührend. Roses Hauptdarsteller verbindet die Berufung anderen Menschen zu helfen, sie zu heilen. Diese Berufung stellt Rose als wesentlich heraus. Dabei webt sie zwei Leidensgeschichten ein, die ihr ein persönliches Anliegen sind. Ein Strang erzählt von der Zerstörung der Indianerkultur. Der andere große Strang berichtet vom harten und zähen Ringen der Frauen um mehr Respekt und Rechte. Nun ist die weibliche Heldin, die sich selbstbewusst in der männerdominierten Welt durchsetzt, obwohl sie viel erleiden muss, nicht gerade ein seltenes Gerüst historischer Romane. Zur Ehrenrettung der Autorin sei aber gesagt, dass ihre Story sehr glaubhaft und die Lebendigkeit ihrer Hauptfigur sehr ansteckend wirkt.