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Lesetipp April 08

Auch wenn die Tage länger werden und man geneigt ist, seltener ein Buch in die Hand zu nehmen, möchte ich anregen, sich einen richtig "dicken Schinken" für den April vorzunehmen. Der weltbekannte Autor muss eigentlich nicht mehr vorstellt werden. Ken Follett dominierte sowohl mit seinen Thrillern, als auch mit seinen historischen Romanen schon zu häufig die Bestsellerlisten. Sein neustes Werk "Die Tore der Welt" (Lübbe / 1295 S.) wird sicher wieder ein großer Erfolg.

Lange Zeit musste die große Fangemeinde auf den Nachfolger von den "Säulen der Erde" warten. Der neue Roman spielt 200 Jahre später im 14. Jahrhundert, erneut in Kingsbridge. Es ist das Zeitalter, als sich Händler und Kaufleute langsam als dritte Kraft neben Klerus und Adel etablieren. Im Mittelpunkt steht der Kampf um Aufklärung und gegen eine Seuche, die über Europa hereinbrach: Die Pest. Sie kam ohne Vorwarnung und ohne, dass jemand wusste wie sie sich verbreitet. Die Pest raffte mehr Menschen hinweg, als jeder Krieg zuvor.

Follett hat erneut ein Epos geschaffen, der zweifellos viele Menschen in seinen Bann ziehen wird. 1300 prall gefüllte Seiten Gefühl, Liebe, Dramatik, Spannung, Sex and Crime. Der Historische Roman ist solide recherchiert, setzt geschickt Spannungsbögen und wartet mit interessanten Disputen auf. Der Leser begleitet vor allem zwei Hauptfiguren, die er aufwachsen sieht und deren Schicksal ihm ans Herz wachsen. Beide durchleben schwere Zeiten und dennoch prägen sie immer stärker ihre Umgebung. Es fällt einem nicht schwer, sich durch die vielen Seiten zu wühlen.

Trotz der Vorschusslorbeeren und der verdienten guten Bewertungen, erreichen "Die Tore der Welt" nicht die Qualität seines Vorgängers. Zwar immer noch in der Kategorie von Gablé oder Cornwell, ist es aber nicht das ganz große Kino. Man will unbedingt weiter lesen, dennoch packt es einen aber nicht mit Haut und Haaren. Es fehlt der Spirit, die Seele, die man bei den "Säulen der Erde" spüren konnte. Trotzdem wäre es eine gute Nachricht, wenn Follett in Zukunft neben Krimis und Thrillers auch wieder historische Romane schreiben würde. Wer allerdings mehr als einen guten, unterhaltsamen, historischen Roman lesen möchte, wer die üblichen Pfade und Schemata dieses Genres verlassen möchte, dem würde ich zusätzlich oder stattdessen Wolfram Fleischhauers  "Das Buch in dem die Welt verschwand" empfehlen.