Lesetipp Dezember 2007 / Januar 2008
Zur Adventszeit möchte ich einen Fantasy-Roman preisen, der als Märchen
durchgeht und sich wunderbar zum Vorlesen eignet. Es ist die wohl gelungenste Geschichte von Hans Bennmann: ?Stein und Flöte? (Goldmann/818 S.). Weitere Bücher des deutschen mittlerweile verstorbenen Autor sind: ?Massimo Battisti? und ?Stern der Brüder?
Sowie Stein und Flöte die besonderen Begleiter des Romans sind, so ist diese Geschichte ein besonderes Vergnügen vieler Stunden. Sie ist gespickt mit vielen kleinen Geschichten, Märchen und Parabeln. Sie ist garniert mit liebevollen schönen Versen und bezaubernden Naturbeschreibungen. Es besteht nicht für Liebhaber von Märchen und fantastischen Geschichten eine akute Suchtgefahr, auch Freunde geistreicher Literatur könnten sich in diesem Buch verlieren. Es ist eben nicht der klassische Fantasy-Roman, schon gar nicht ist es ein reines Kinderbuch.
Wenn man erst einmal eingetaucht ist in die Welt Benmanns und seiner Hauptfigur Lauscher, lässt man sich nicht nur unterhalten. Sowie Lauscher sich allerlei Fragen über Sein und Sinn macht, wird es auch dem Leser gehen. Die philosophischen und teilweise auch politischen Betrachtungen sind nicht abgehoben, noch schmälern sie den Zauber des Romans. Die Geschichte wird dimensionaler. Leser mit einem ?Tunnelblick? könnten die Anspielungen überlesen und dennoch sind sie nicht allzu versteckt. Sie erschließen sich ohne erhobenen Zeigefinger und dennoch beschäftigen sie einem zum nach- und weiterdenken.
Das zentrale politische Motiv ist die Macht. Macht, die nur allzu häufig dazu benutzt wird sich selbst zu bereichern und andere zu unterdrücken, obwohl es dazu immer eine Alternative gibt. Dabei geht es nicht nur um deren gewaltsame Ausübung. Benmann führt vor, dass der Missbrauch von Macht viele Gesichter hat und die Verlockungen groß sind, sich ihrer zu bedienen.
Die Hauptfigur lernt im Laufe seines Lebens all die Facetten und die Verlockungen der Macht kennen. Der Leser wird zum Begleiter von Lauscher, erlebt die Anziehungskraft der Macht, der man nur zu gerne erliegt ? erkennt nur mit starken Willen auch die Gefahren. Dies geschieht in einer zauberhaften Welt, in der alle Emotionen einen in den Strom von Stein und Flöte mitreißen werden.


