LeseTipp Juli / August 2008
Mein Vorschlag für den Hochsommer ist kein Roman, sondern ein schmales Bändchen, das man vielleicht als eine Art Reiseprosa bezeichnen könnte. Verfasser ist der Schriftsteller und Essayist Geert Mak, der 1946 in den Niederlanden geboren wurde. Nach einer Hommage auf seine Heimatstadt Amsterdam, wagt sich Mak an die geschichtsträchtige Metropole Istanbul heran. Geert Mak: ?Die Brücke von Istanbul? (Pantheon / 125 S.)
Man könnte meinen, dass ein ganzes Buch über eine Brücke, eher eine langweilige Angelegenheit ist. Mak beweist in diesem Bändchen aber das Gegenteil. Natürlich hilft es, dass es sich dabei um die Brücke handelt, die Orient und Okzident verbindet, die eine Lebenslinie innerhalb der pulsierenden Metropole von Istanbul bildet. Wahrscheinlich gelingt dem Niederländer gerade deshalb ein wundervoller prosaischer Reisebericht, weil er viele Fähigkeiten und Stilrichtungen in einen Guss gebracht hat. Sein Bericht ist journalistisch, dokumentarisch, essayistisch, aber vor allem unterhaltsam.
Geert Mak erzählt die kleinen Geschichten der einfachen Menschen, die auf und von der Brücke leben. Die Angler, die Kleinsthändler, die Verkäufer, die um ihr Überleben kämpfen. Dabei verflechtet er geschickt die Geschichte der Brücke, der Stadt, der gesamten Türkei in seine Schilderungen ein. Auch aktuelle und brisante Themen spart er nicht aus. Offensiv und dennoch sensibel, öffnet der Autor neue Ansichten zu den Themen wie Armut, Stolz, Ehre oder dem Islam. Selbst wer nicht vorhat, nach Istanbul zu reisen, sollte sich dieses Kleinod nicht entgehen lassen. Nach der Lektüre bekommt man Lust, doch einmal an den Bosporus zu reisen und selbst über die Galatabrücke zu schlendern.


