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Lesetipp Februar 2009

Viele Literaturkritiker halten Philip Roth für den oder zumindest für einen der größten lebenden Schriftsteller. Jedes Jahr, wenn in Oslo der Literaturnobelpreis verliehen wird, steht sein Name ganz oben auf den Tipplisten, doch bis heute ist er leer ausgegangen. Gerade ist sein neuer Roman "Empörung" auch in deutscher Übersetzung erschienen. Ich möchte aber ein früheres Werk von Roth empfehlen, welches auch durch die erfolgreiche Verfilmung sehr bekannt wurde. Philip Roth: Der menschliche Makel (rororo / 400 S.).

Aus der Sicht eines alternden Schriftstellers wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der im Alter vor dem Scherbenhaufen seines Lebens steht. Ein Rassismus-Vorwurf treibt den gesetzten Literaturprofessor Coleman Silk zum Rücktritt. Silk freundet sich mit dem Schriftsteller an, der nun seine Geschichte erzählen soll. Roth entflicht kunstvoll die überraschende Vita dieses angeblichen Rassisten. Dabei wird der amerikanischen Gesellschaft der 90er Jahre mal grausam realistisch, mal mit einem Augenzwinkern der Spiegel vorgehalten. Ein Gesellschaftsroman, politisch, realistisch, ironisch. Tiefgründig und dennoch fokussiert auf einen kleinen Ausschnitt weniger Protagonisten.

Roth zeichnet die Hauptfiguren - mit Ecken und Kanten -, die uns wie alte Bekannte begegnen. Liebe, Hass, Sex and Crime fährt der Schriftsteller auf, ohne zu sehr zu zerfransen und beliebig zu werden.

Leider schweift die Handlung manchmal in abgelegene Welten und ausufernde Beschreibungen ab, die den ganz großen Wurf für meinen Geschmack verhindern. Dennoch ist "Der menschliche Makel" sicher eines der beeindruckendsten Bücher der amerikanischen Gegenwartsliteratur, die ich in den letzten 10 Jahren gelesen habe.