Lesetipp Juli / August 2009
Mein Sommertipp ist das Buch von Maria Barbal: Wie ein Stein im Geröll (Transit, 125 Seiten). Die Autorin wurde 1949 in den Pyrenäen geboren und lebt heute in Barcelona. Wie ein Stein im Geröll ist ihre erste Veröffentlichung und entwickelt sich nach dutzendfacher Neuauflage und Übersetzungen in verschiedene Sprachen bereits zu einem Klassiker der Gegenwart.
Das Mädchen Conxa ist das fünfte Kind einer armen Familie aus den Pyrenäen. Conxa wird mit nur 13 Jahren ihrer gewohnten Umgebung entrissen und der kinderlosen Schwester ihrer Mutter anvertraut. In ihrer neuen Heimat, ebenfalls ein kleines Dorf in den Pyrenäen, arbeitet sie hart, um dass Wohlwollen ihrer neuen Pflegeeltern zu erlangen. Das Leben dort ist durch alte Traditionen und ein sehr schlichten Leben geprägt. Aus dem Mädchen wird eine junge Frau, das sich in einem Mann verliebt, der aber nicht der Wunschkandidat ihrer Tante ist. Als sich alles zum Guten zu wenden scheint, wird Conxas Welt in den blutigen spanischen Bürgerkrieg hinein gerissen.
In nur 130 Seiten gelingt es Maria Barbal ein Leben zu erzählen. In einer schnörkellosen Sprache, ohne Windungen und künstlerische Experimente hat die Autorin einen Roman geschaffen, der die Zeit überdauern könnte. Er beschreibt die Vergangenheit und schildert Gefühle und Sehnsüchte, die es immer geben wird. Empfindungen, Hoffnung und Freude, aber auch Leid und Entbehrungen leise und leicht erzählen. Maria Barbal schreibt selbst über ihren Roman: "Mit ihm wollte ich einem der vielen namenlosen Menschen eine Stimme geben, die wie ein Stein im Geröll der Geschichte mitgerissen wurden". Dies ist ihr zweifellos gelungen. Egal ob man es eine Liebesgeschichte oder einen Erinnerungsroman nennen will, wer sich einen halben Tag ein gutes Buch gönnen möchte, dem kann man Maria Barbals kurzes großes Werk getrost ans Herz legen.


