Lesetipp September / Oktober 2009
Diesmal möchte einen Klassiker empfehlen - Jack London: Der Seewolf (dtv, 215 Seiten). Jack London wurde 1876 in Kalifornien geboren und erlangte mit seinen Romanen „Ruf der Wildnis“ und „Wolfsblut“ Weltruhm. Londons Welt waren die Naturlandschaften von Kanada und Alaska. Auch sein 1904 erschienenes Buch „Der Seewolf“ ist immer noch sehr erfolgreich und wurde mittlerweile mehrfach verfilmt. Bereits im Alter von 40 Jahren verstarb der Autor. Die Umstände seines Todes sind bis heute nicht geklärt.
Der Literaturkritiker Humphrey van Weyden findet sich nach einem Schiffsunglück auf einem Robbenfänger wieder. Fortan muss er sich in einer - für ihn - völlig fremden Welt und Gemeinschaft zurechtfinden, denn der Kapitän hat nicht vor, ihn an Land abzusetzen, sondern macht ihn zum Mitglied seiner Crew. Das alles wäre noch erträglich, wenn der Kapitän sich nicht als eine intelligente, widersprüchliche Bestie entpuppen würde, die völlig ohne Moral und Skrupel seine Mannschaft terrorisiert. Die Schiffsfahrt zu den Jagdgefilden wird für van Weyden zu einem Himmelfahrtskommando, das aus dem jungen Mann einen anderen Menschen formen wird.
London schafft es, Charaktere herauszubilden, die den Spannungsbogen des Buches bis zum Ende prägen werden. Der Seewolf ist ein klassischer Abenteuerroman, ein Psychodrama, ein toller Schmöker, den man in einem Rutsch lesen möchte. Er ist kein bisschen trivial, aber auch nicht zu intellektuell oder verschroben, so dass sich eine große Leserschaft für dieses Abenteuer begeistern kann. Er ist zudem eine gute Einstiegsdroge für Jugendliche, die von Emilia Galotti und anderen Klassikern eher vom Lesen abgeschreckt wurden.


