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LeseTipp Januar / Februar 2010

Meine Empfehlung diesmal: Alois Prinz "Die Geschichte des George Forster" (insel TB / 249 Seiten). Prinz sorgt mit diesem knappen, gut lesbaren Sachbuch, dass eine der beeindruckendsten und tragischsten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte nicht völlig in Vergessenheit gerät.

George Forster galt bereits in seiner Jugendzeit als Wissenschaftsgenie, der seinem Vater schnell geistig überlegen war. Bereits als 18jähriger begleitete er den schon damals berühmten Captain Cook auf dessen Entdeckungsreise durch die Weltmeere (1772-1775). Es oblag dann auch Forster, den offiziellen englischen Reisebericht der Seefahrt aufzuschreiben und ihn später ins Deutsche zu übersetzen. Dieser Bericht ließ ihn aufsteigen in den europäischen Wissenschaftsolymp. Dies bedeutete aber nicht, dass Forster nun ausgesorgt hatte. Im Gegenteil, es plagten ihn zeitlebens Geldsorgen und auch sonst erlebte er nur wenig glückliche Momente.

Der Cook-Begleiter war ein Freigeist, ein Humanist, der sich schon früh gegen Unterdrückung, Bevormundung und auch die Kolonalisierung auflehnte. Bereits mit 19 Jahren missfällt ihm auf der Entdeckerreise, wie die Engländer mit den einheimischen Inselbewohnern umgehen. Er bezweifelt die angeblich positive Wirkung der Europäer und die Missionierung der neuen Welt: "Wahrlich! Wenn die Wissenschaft und Gelehrsamkeit einzelner Menschen auf Kosten der Glückseligkeit ganzer Nationen erkauft werden muss, so wär es für die Entdecker und die Entdeckten besser, dass die Südsee den unruhigen Europäern ewig unbekannt geblieben wäre!"

Alois Prinz greift immer wieder auf Originalzitate von Forster zurück und dadurch entsteht ein lebendiges Bild des Forschers. Neben der Wissenschaft ergreift immer mehr auch die Politik von Forster Besitz. Er ist zunächst begeistert von der Französischen Revolution und sehnt sich nach der Demokratisierung auch in Deutschland. Als die Franzosen die Revolution auf die damalige Heimat der Familie Forster, nach Mainz ausweiten, steigt Forster schnell zu einem der führenden Volksvertreter auf. Doch die Revolution nimmt keinen guten Verlauf und Forster gerät zwischen die Fronten.

Prinz‘ Buch über George Forster ist ein gutes Einsteigerbuch, das die Neugier anstachelt und zum Weiterlesen anregt. Auch wenn Forster zu Unrecht fast vergessen wurde, gibt es glücklicherweise einige weitere Biographien über ihn und natürlich kann ich nur jedem seinen immer wieder neu aufgelegten Bericht über die Cook-Reise (George Forster: Reise um die Welt) ans Herz legen.