Dortmund - Mehr als Heimat

Ich bin im Ruhrgebiet, in Dortmund geboren, aufgewachsen und in meiner Heimat sehr verwurzelt. Meine Familie und die meisten meiner Freunde leben hier. Ich wohne in Dortmund und freue mich, nach jeder Sitzungswoche hierher zurückzukehren. Es ist dieses Heimatgefühl, welches mich mit Dortmund und dem Ruhrgebiet verbindet, welches man kaum erklären kann und einen doch voll erfasst. Es ist der besondere Menschenschlag, die Mentalität und natürlich auch das Vertraute, das mich an Dortmund gebunden hat. Viele Menschen hier sagen „frei nach Schnauze“ das, was sie denken, ohne damit immer allen gefallen zu wollen.

 

Für das Ruhrgebiet steht auch die „Maloche“, Dinge anzupacken. Vor allem die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat der Strukturwandel heftig gebeutelt, aber sie versuchen immer das Beste daraus zu machen. Auch viele heimische Selbstständige, Handwerker und mittelständische Betriebe haben nicht vergessen, dass sie dem Revier und ihren Menschen verpflichtet sind. Zudem gibt es in Dortmund und der Region viele Initiativen, viele Aktive, die sich ehrenamtlich engagieren, ohne die es im neoliberalen Zeitalter keinen sozialen Zusammenhalt mehr geben würde. Zusammen arbeiten alle daran, dass wir hier eine Zukunft haben.

 

Ich bin in der Dortmunder SPD politisch groß geworden, ich juble oder leide mit dem BVB, habe Teile des Strukturwandels hautnah miterlebt. Meine Familie stammt aus „typischen einfachen“ Dortmunder Verhältnissen. Mein Großvater war einer der vielen Malocher, erst auf der Zeche und dann im Stahlwerk. Ich bin auf eine Schule gegangen, die mitten in einem sozialen Brennpunkt liegt und die einen Migrantenanteil von deutlich über 50 Prozent hat. Eine Schule, die mir - vor allem durch das Engagement vieler Lehrer und Schüler - nicht nur Mathe, Deutsch und Co, sondern vor allem Toleranz und kritisches Denken beigebracht hat. Seitdem bin ich fest davon überzeugt, dass man seine Heimat lieben und dennoch offen gegenüber anderen Kulturen und Ansichten sein kann. Mehr noch, ich glaube, nur tolerante Menschen sind wirklich in der Lage positive Gefühle gegenüber sich selbst und der eigenen Kultur zu haben. Menschen voller Vorurteile oder gar Hassgefühle sind meist auf negative Gefühle beschränkt und können sich oft selbst nicht leiden.

 

Viele denken immer noch, das Ruhrgebiet sei grau und kohleverrußt und der Manta-Fahrer heizt von der „Tanke“ zur „Currywurst-Bude“. Trotz aller Veränderung sterben die Klischees nicht aus. Den Nachbarn im Trainingsanzug mit einem Bierchen an der Bude gibt es noch, aber er ist auch hier fast schon zu einer Rarität geworden. Genau so gibt es den Bürgerlichen, der beim Biosupermarkt einkauft und seinen Latte Macchiato im Straßencafé schlürft, den Jugendlichen, der seinen neusten Track auf das i-Phone lädt und sich dabei über „Face-Time“ mit seinen Freunden zur Party verabredet, den Ingenieur, der im dunklem Anzug mit seinem Elektroauto zu seiner Arbeit ins Technologiezentrum fährt.

 

Dortmund ist bunt und es hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewandelt. Ich glaube, keine Region ist so spannend und vielschichtig. Man ist in 20 Minuten von Dortmund in Bochum oder von Bochum in Essen. Es gibt hier unzählige Kultureinrichtungen, ein riesiges Sportangebot mit vielen großen Vereinen. Wir haben Stauseen, Parks, Zoologische Gärten, Wälder auf kleinstem Raum - Dortmund hat den größten Grünanteil aller Städte in NRW. Die Innenstädte sind belebt worden und nicht wenige aus der weiteren Umgebung kommen zum „Shoppen“ in unsere Innenstädte.

 

Das heißt nicht, dass es hier keine Probleme mehr gibt. Wir haben weiterhin eine hohe Arbeitslosigkeit und das finanzielle Ausbluten der Kommunen hat uns hier besonders hart getroffen. Es ist dringend notwendig, dass die Handlungsfähigkeit der Ruhrgebietsstädte wieder hergestellt wird. Aber wie beim Strukturwandel werden wir selber aktiv. Nach Kohle, Bier und Stahl, haben die Dortmunder einen großen Dienstleistungs- und Technologiebereich aufgebaut. Wir sind zu einer Hochburg für Mikrosystemtechnologie und Logistik geworden. Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten auf dem Gelände der Universität eng verknüpft. Wir müssen noch stärker auf neue Technologien setzen und dennoch die industriellen Arbeitsplätze nicht vernachlässigen. Wir Dortmunder haben unser Tafelsilber nicht privatisiert oder an Heuschrecken verkauft, bei uns gibt es weiterhin städtische Töchter, die größtenteils der Stadt gehören und damit Geld in die öffentlichen Kassen spülen, ohne teurer als die private Konkurrenz zu sein, ohne die Mitarbeiter auszubeuten.

 

So bleiben wir „Ruhris“ anpackende Zweckoptimisten und in diesem Sinne möchte ich als Ur-Dortmunder meine Heimatstadt auch im Bundestag vertreten.