Besinnliche Weihnachtspause

Tagebucheintrag 21. Dezember 2002 (IC Berlin-Dortmund)

Wieder einmal setzt sich der Zug in Richtung Heimat in Bewegung. Gestern war der letzte Plenartag in diesem Jahr. Noch einmal wurden Beschlüsse getroffen, die ein unbehagliches Gefühl hinterlassen. Es wird wohl dabei bleiben, dass man sich bei vielen Beschlüssen darauf verlassen muss, was einem die Experten dazu sagen. Klar kann man sich tiefer in die jeweiligen thematischen Felder hineinknien und den offenen Fragen stärker auf den Grund gehen. Darum habe ich mich bemüht, doch ob die vorhergesagten Auswirkungen auch so eintreffen, bleibt auch mit viel Hintergrundwissen meistens vage.

Viel mehr Kopfschmerzen bereitet mir allerdings die drohende Kriegskulisse im Irak. Die US-Regierung ist fest entschlossen, den Krieg zu beginnen. Mich beschleicht ein kalter Schauer bei dem Gedanken an den Ernstfall. Wie viele unschuldige Menschen müssen diesmal wieder sterben? Führt der Krieg nicht zu einer weiteren Destabilisierung im Nahen Osten? Fordert der Angriff nicht Vergeltungsmaßnahmen der islamischen Fundamentalisten heraus, die dann wiederum mit Gewalt beantwortet werden? Auge um Auge, Zahn um Zahn. Wie vor 100, wie vor 1000 Jahren. Bleibt nur zu hoffen, dass die Skepsis wächst - auch Amerika. Der Friedens-Nobelpreis an Carter ist ein Signal. Möge die Weihnachtspause doch nur etwas Besinnung bringen.

Angesichts der Tatsache, dass ich das erste Mal seit langem fast zwei freie Wochen vor mir habe und Weihnachten vor der Türe steht, sind es nicht gerade die schönsten Gedanken, die mir auf meiner letzten Rückfahrt 2002 durch den Kopf gehen. Gestern Abend war das noch anders. Mit meinem ehemaligen Wahlkampfleiter und jetzigen Büroleiter habe ich ausgiebig das Berliner Nachtleben genossen. Natürlich haben wir zurückgeblickt, zugegebenermaßen nicht ganz ohne Schulterklopfen. Doch die meisten unserer Gedanken waren auf 2003 gerichtet. Zumindest unsere Motivation und der Veränderungswille haben also nicht gelitten. Nach zwei, drei Cocktails wurden unsere Ideen aber immer schillernder und es wurde Zeit, das Thema zu wechseln. Das will ich jetzt auch zwei Wochen lang tun, obwohl nicht ganz ohne Arbeit nach Hause fahre.