Blitzstart in die Realität

Tagebucheintrag 5. September 2003 (ICE Dortmund-Berlin)

Nicht ganz gesund aus dem Urlaub zurück, ging es in Berlin gleich in die "Vollen": Fraktions-Klausurtagung. Natürlich war ich vorgewarnt, hatte sich doch gerade in meinem Themenbereich "Energiepolitik" eine ganze Menge ereignet. Leider hatten sich auch einige Sozialdemokraten sehr nah auf die Anti-Windkraftkampagne der Opposition und Energielobbyisten zu bewegt. Auf der Fraktionsklausur kam es dann zum ersten Showdown. Die "Bremser" gegen die "Förderer" der Erneuerbaren Energien. Zugegeben eine nicht ganz faire und harte Klassifizierung, die aber mehr als einen wahren Kern besitzt. Von den Redeanteilen aber auch vom Applaus eine klare Entscheidung für die Förderer. Also bleibt der SPD doch noch die Chance auf eine moderne Energiepolitik, welche auch an die Zukunft denkt. Doch die nächsten Runden folgen und die verbliebenen "Bremser" sind durchaus nicht zu unterschätzen und haben mit dem Wirtschaftsministerium und der fossilen Energiewirtschafts-Lobby mächtige Unterstützer.
Es ist hier nicht der Ort, detailliert auf die Energiepolitik einzugehen, obwohl es zweifellos eine spannende Debatte ist, die nicht unbedingt als typisch einzustufen ist. Schon deshalb nicht, weil hier die gern gebrauchten Klischees von den modernen und traditionellen Sozialdemokraten verschwimmen. So manch ein "Modernisierer" sieht zumindest in der Energiedebatte ganz schön "antiquiert" aus. Manch alter sozialdemokratischer Haudegen dagegen spricht davon, den folgenden Generationen nicht auch noch die drohenden Schäden der Klimakatastrophe aufzubürden. Recht hat er. Besonders blumig hat es unser Vorsitzender des Umweltausschusses Ernst Ulrich von Weizsäcker formuliert (womit er hier das Schlußwort haben soll): "Wir dürfen bei den Energieressourcen nicht mehr in den Sonnenuntergang (Anm.: fossile und atomare Energie), sondern sollten lieber in den Sonnenaufgang (Anm.: Erneuerbare Energie) investieren."