Gesundheit und Reformen

Tagebucheintrag 25. September 2003 (ICE Dortmund-Berlin)

Donnerstag nachmittag in einer Sitzungswoche und ich sitze jetzt erst im ICE nach Berlin. Eigentlich sind mir mindestens zwei Wochen absolute Bettruhe verordnet worden. Eine Anweisung, die ich schon nach einigen Tagen brechen muss. In der SPD-Fraktion ist der Notstand ausgebrochen. Bei der morgigen Abstimmung wollen nicht alle Mitglieder für den Gesundheitskompromiss zwischen Union und Regierungskoalition stimmen. Dazu drei Krankmeldungen. Also stand das Telefon bei mir zu Hause nicht still. Hätte ich einen Beinbruch, eine Grippe oder ähnliches, wäre ich sicher schon längst im Reichstag. Doch ein verschleppter Virus hat dazu geführt, dass ich mich mit einer Herzbeutelentzündung herumplagen muss. Mit 32 Jahren eine nicht gerade spaßige Angelegenheit. Erst recht dann nicht, wenn man Abgeordneter ist und die Arbeit nicht einfach Arbeit sein lassen darf. Also bin ich nun doch auf dem Weg nach Berlin. Pflichtbewußt werde ich morgen meine Ja-Stimmen abgeben. Sicherlich ohne Euphorie, denn so toll finde ich den Kompromiss auch nicht. Es ist schon eine kleine Ironie, dass meine Fraktion die "Kranken" braucht, um die Gesundheitsreform auf den Weg zu bringen. Bleibt mir nur zu hoffen, dass die "Kranken" nach dem Abstecher zur Stimmabgabe auch wieder den Weg zur Gesundheit einschlagen werden