Laues Lüftchen

Tagebucheintrag 5. Juli 2003 (Berlin)

Nach heftigen Wochen und Monaten hat es Gerd Schröder doch noch geschafft, uns einen leichten Aufwind zu verschaffen. Endlich ist die Union mal in der Defensive. Ihre Zerstrittenheit wird zu einem öffentlichen Thema. Es reicht nicht mehr, mit dem Finger auf die Regierung zu zeigen und sich "die Hände in Unzuständigkeit" zu waschen. Uns gibt es die Gelegenheit, Luft zu holen. Die Möglichkeit dazu haben wir letztendlich durch die Ankündigung des Vorziehens der Steuerreform erhalten. Nicht gerade der große Coup, aber rein strategisch wohl der richtige Schachzug. Volkswirtschaftlich ist die Entscheidung eher zweischneidig. Bedenklich wird es gar, wenn das Vorziehen der Steuerreform zum größten Teil "auf Pump" finanziert werden soll. Jetzt gibt es die große Chance, stärker an die Subventionen zu gehen. Nicht mit der Rasenmähermethode, sondern ganz gezielt an die Subventionen, die heute keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr haben und die zum Teil auch ökologisch völlig kontraproduktiv sind. Hoffentlich beweisen wir den Mut, diese alten Zöpfe zumindest zu beschneiden. Die Zeit ist günstig und die Union würde zusätzlich in die Defensive gedrängt.
Ich bin noch in Berlin geblieben und schreibe diesen Eintrag ausnahmsweise nicht im Großraumwagen des ICE. Es tut gut, mal in seinem Büro zu sitzen, ohne Zeitnot und Terminstress, ohne Abstimmungen, Ansagen und ewigem Telefonklingeln. Endlich komme ich mal dazu, einige angehäufte Stapel abzuarbeiten. Ich habe auch die Gelegenheit, etwas mehr Zeit mit meinen Mitarbeitern zu verbringen. Wir werden die abgelaufene Zeit analysieren und schauen, wo wir uns noch verbessern können. Vielleicht bleibt sogar etwas Zeit, um in die Zukunft zu schauen. Und dann freue ich mich auf ein bis zwei Freizeit-Abende in Berlin, bevor es dann zurück nach Dortmund in die Heimat geht.