Vom Krieg zur Agenda

Tagebucheintrag 5. Mai 2003 (ICE Dortmund-Berlin)

Drei Wochen war ich jetzt nicht in Berlin. Der erste zweiwöchige Urlaub seit langem. Zwei Wochen keine Termine, keine Politik. Kaum ein Urlaub war so erholsam wie dieser. Natürlich hatte ich mir Arbeit mitgenommen, aber ohne schlechtes Gewissen nur recht wenig abgearbeitet. Dafür merkte ich nach jedem Tag mehr, wie meine Kreativität zurückkam und ich endlich mal die Zeit hatte über Dinge nachzudenken, die ich verdrängt oder aufgeschoben hatte.
Jetzt bin ich schon fast wieder eine Woche am Ball. Der wurde auch zur Osterzeit heftigst über das Spielfeld gedroschen und ich musste mein Informationsdefizit möglichst schnell wieder auffüllen. Hauptdiskussion war und ist die Agenda 2010. Nachdem die Hauptkampfhandlungen im Irak beendet wurden, geht das Interesse an außenpolitischen Diskussionen wieder deutlich zurück. Meiner Meinung nach zu Unrecht. Der Krieg ist entschieden, aber der Frieden noch lange nicht gewonnen. Die vielen außenpolitischen Probleme sind nicht kleiner, sie sind größer geworden. Allerdings habe ich viel Verständnis dafür, dass besonders für meine Partei die Reformdiskussion sehr wichtig ist. Es geht an die Grundwerte, was da bei der Agenda 2010 diskutiert wird. Die meisten Diskussionen, die ich an der Basis geführt habe, waren von großer Skepsis und Kritik geprägt, wobei ich nie gehört habe, dass alles so bleiben soll wie es ist. Heute Abend will der Dortmunder SPD-Vorstand einen Vorschlag formulieren, der dann Mitte des Monats der Dortmunder Parteibasis zur Abstimmung vorgelegt wird. Nun bin ich gespannt, wie die Stimmung in Berlin ist und welche Erfahrungen die anderen Abgeordneten vor Ort gemacht haben.