BPA und BVB

Tagebucheintrag 29. Oktober 2004 (ICE Berlin-Dortmund)

 

Der Herbst in Berlin ist Großkampfzeit. Von Mitte Oktober bis Weihnachten sind sechs von neun Wochen in Berlin zu bestreiten. Gleichzeitig will natürlich auch der Wahlkreis in diesen Wochen zu seinem Recht kommen, also wird alles sehr eng. In der vorherigen Woche hatte ich Besuch aus meinem Wahlkreis Dortmund in Berlin. Jeder Abgeordnete hat die Möglichkeit, zwei Gruppen mit jeweils 50 Leuten in die Hauptstadt einzuladen. Die Nachfrage ist unglaublich, so dass ich nur einem Teil der Bewerberinnen und Bewerber den Wunsch erfüllen kann. Zwei Gruppen mit jeweils 50 Dortmundern waren diesmal wieder dabei. Die Fahrt wird vom Bundespresseamt (BPA) ausgerichtet und gemeinsam mit dem Abgeordnetenbüro organisiert und durchgeführt. Man muss einiges an Arbeit und Zeit reinstecken, aber dennoch ist es immer eine lohnende Anstrengung. So erfahren wenigstens einige Bürgerinnen und Bürger aus dem Wahlkreis, wie die Arbeit ihres Abgeordneten aussieht und ein wenig auch, wie es hinter den Kulissen zugeht. Fast jeder, der dies zum ersten Mal erlebt, ist überrascht, weil er ein ganz anderes Bild im Kopf hat. Leider wird in der Öffentlichkeit zu wenig gezeigt, wie denn der Alltag in Berlin wirklich aussieht. Zu viel dreht sich meist nur um Streit, Machenschaften und die Statements einiger weniger. Dies ist aber nur ein Ausschnitt der realen politischen Arbeit in Berlin. Die viele - teilweise sehr engagierte Arbeit - geht leider häufig unter. Außer den BPA-Teilnehmern kommen viele weitere Gruppen nach Berlin, die ihre Fahrt selbst organisieren. Mein Büro ist ihnen bei der Gestaltung des Programms gern behilflich, zudem organisieren wir, wenn möglich, ein Zusammentreffen im Bundestag. Mehr als 1.000 Bürgerinnen und Bürger haben mich mittlerweile schon in Berlin besucht, unter anderem Schulklassen, Kleingärtner, Gewerkschafter oder auch Unternehmer, Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Zusammenhängen.
Noch von einem weiteren Ereignis der letzten Wochen möchte ich hier berichten, was weniger mit Politik zu tun hat. Nachdem ich es bisher nicht einmal geschafft hatte, in meiner Heimat auch nur ein Spiel von Borussia Dortmund zu besuchen, hatte ich nun in Berlin die Möglichkeit, ein Auswärtsspiel zu sehen. Nach den Pleiten der letzen Wochen war eigentlich nicht viel zu erwarten. Für mich als BVB-Mitglied keine schöne Zeit, wie für alle BVB-Fans. Doch ich war mir sicher, dass es diesmal klappen würde. So zog ich letzten Dienstag frohen Mutes zum Berliner Olympiastadion. Innen präsentierte sich ein modernes und großes Stadion mit einer blauen Tartanbahn. Von außen hat die Architektur allerdings etwas Bedrohliches – zumindest dann, wenn man sich gedanklich 70 Jahre zurückversetzt. Beim Spiel waren solche Gedanken schnell vergessen und ich konnte einen BVB sehen, der nach anfänglicher Verunsicherung immer mehr ins Spiel kam und teilweise sogar richtig guten Fußball spielte. Koller entschied das Spiel. Er schoss das Tor und präsentierte sich in der Schlussphase auch als Retter in der Abwehr. Bleibt das Fazit, dass ich häufiger live dabei sein muss, vielleicht geht es dann ja noch weiter aufwärts.