Frühlingsgefühle

Tagebucheintrag 1. März 2004 (ICE Dortmund-Berlin)

Das Wetter hat Deutschland noch einmal mit Eis und Schnee zugedeckt. Die an mir vorbeiziehenden Landschaften sind noch fest in Winterhand. Auch politisch hat für die SPD noch kein Tauwetter eingesetzt. Die Hamburgwahl war für uns ein Debakel, daran konnte auch der „Münteeffekt“ nichts ändern. Trotzdem müssen wir den Kopf hochhalten, weiter auf den Frühling warten.
In den nächsten fünf Wochen haben wir vier Sitzungswochen, zudem habe ich noch einen lokalen Parteitag und einige Wahlkreistermine zu bewältigen. Da bleibt nicht viel Zeit für ausgiebige Gedankengänge und intensive inhaltliche Arbeit. Die ist aber bitter nötig, weil in den nächsten drei Monaten einige wichtige Entscheidungen in der Energiepolitik getroffen werden. Als zuständiger Berichterstatter fällt mir dabei eine Menge Verantwortung zu. Nicht ganz einfach, dem gerecht zu werden. Wenn die Zeit kaum reicht, sowohl bei den Megathemen wie Gesundheit, Rente, Arbeitsmarkt auf dem Laufenden zu bleiben, den Wahlkreis ordentlich zu betreuen und in seinem Fachgebiet die Arbeit voranzubringen. Zum Glück bin ich in der letzten Woche mal dazu gekommen, mich intensiver inhaltlich mit der Energiepolitik zu beschäftigen und mir einige Gedanken über meine Bürostruktur zu machen. Als Bundestagsabgeordneter ist man auch eine Art „Chef“ von einigen Mitarbeitern und verantwortlich dafür, dass das gesamte Team funktioniert.
Jetzt fahre ich gleich in Berlin ein. Die nächsten Wochen stellen eine harte Prüfung da. Dies gilt nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie und Freunde, die mich kaum zu Gesicht bekommen, aber auch für mein Team, dessen Hilfe ich jetzt sehr dringend brauche werde. Eigentlich sind die nächsten Wochen für mich so etwas wie eine zweite Feuertaufe. Eine Feuertaufe, bei der das Frühlingserwachen eine Frühlingsmüdigkeit erst gar nicht aufkommen lassen darf.