Blaue Augen

Tagebucheintrag 25. Februar 2005 (ICE Berlin-Dortmund)

 

Man könnte sagen, dass wir bei der Schleswig-Holstein-Wahl wohl mit einem blauen Auge davonkommen werden. Es ist keine Steilvorlage für die Landtagswahl in NRW, aber auch kein Eigentor. Jetzt alles wieder schön zu reden, kann man aber nun wirklich nicht mehr mit Zweckoptimismus erklären. Klar, vor einem halben Jahr hätten wir ein noch so knappes Ergebnis herbeigesehnt. Doch vor zwei Monaten haben wir durchaus auf ein besseres gehofft und teilweise auch gesetzt. Wenn man nüchtern analysiert, ist der Aufwärtstrend der SPD in Gefahr und die Union schafft es durch eine Skandalisierung der Visa-Diskussion ihre Abwärtsentwicklung zu stoppen und eigene Unzulänglichkeiten zu verdecken. Noch sind es drei Monate bis zur Wahl des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. Ohne die Bedeutung von Schleswig-Holstein herunterzureden, diese Wahl ist für die Bundesebene ein deutlich wichtigerer Wegweiser. Allein in Essen, Bochum und Dortmund leben mehr Menschen als in ganz Schleswig-Holstein.

 

Auf ein weiteres blaues Auge darf man sich nicht wieder verlassen. Die Union wird - ganz nach dem US-amerikanischen Vorbild - weiterhin auf eine Negativkampagne setzen. Sie wird beschimpfen, kritisieren und verleumden. Da hilft es wenig, wenn wir stetig darauf hinweisen, dass die Opposition doch inhaltlich nichts zu bieten hat und wir den besseren Spitzenkandidaten haben. In der nächsten Zeit muss deutlicher herausgearbeitet werden, was uns voneinander unterscheidet. Dabei allein die Wechselwähler zu gewinnen wird aber nicht ausreichen, vor allem die potentiellen Nichtwähler müssen mobilisiert werden.