Endspurt

Tagebucheintrag 7. September 2005 (ICE Berlin-Dortmund)

 

Soeben habe ich die letzte Bundestagssitzung in dieser verkürzten Legislaturperiode hinter mich gebracht. Eichel hatte noch einmal zur Haushaltsdiskussion nach Berlin gerufen. Der Wahlkampfendspurt wurde also für einen Moment unterbrochen. Auf den Weg in den Wahlkreis mache ich heute noch einen Zwischenstopp in Münster. Ich hatte meinem Münsteraner Kollegen versprochen, dort als Referent für eine Veranstaltung zur Energiepolitik zur Verfügung zu stehen.

 

Insgesamt hat der Wahlkampf an Fahrt gewonnen. Schröder und die SPD geben sich noch einmal kämpferisch. In den Umfragen ist es etwas enger geworden, aber es fehlen die entscheiden Prozente. Es ist teilweise schon etwas schizophren. Je mehr wir aufholen, desto wahrscheinlicher wird die große Koalition – ein Bündnis, welches ich nun wirklich nicht haben möchte. Wir müssten in der Koalition Kröten schlucken und dann werden die Kompromisse im Bundesrat nochmals schwarz eingefärbt. Bei dem Gedanke überfällt mich ein Grausen. Ärgerlich dabei ist vor allem, dass einige führende Sozialdemokraten, die große Koalition herbeisehnen und sogar öffentlich beschwören. Damit bringen sie nicht nur Unruhe in die Partei, sondern schädigen Kandidaten, welche bei den Erstimmen auf Grünenwähler angewiesen sind, die dadurch natürlich verschreckt werden. Schlimm, wenn diese „Schwarz-Rot-Befürworter“ dann am Ende noch mit einem Ministerposten belohnt werden würden.

 

In Dortmund bin ich mit dem Wahlkampf sehr zufrieden. Die Menschen an den Ständen sind deutlich freundlicher und aufgeschlossener, als bei der Landtagswahl. Neben Kritik gibt es immer mehr Sympathiebekundungen für die SPD und auch für mich als Kandidaten. Viele Genossen konnten doch noch motiviert werden. Vor allem einige alte Haudegen und das junge Team geben alles. Es gibt Hoffnung für die Sozialdemokratie, wenn man sieht, wie viele gerade junge Menschen sich wieder engagieren und für soziale Werte streiten.