Kein Sieger

Tagebucheintrag 20. September

 

Die Stimmung an den Ständen hat nicht getrogen: Die Mehrheit wollte nicht den Wechsel zu Schwarz-Gelb. Aber auch Rot-Grün hat das Vertrauen der meisten Deutschen verspielt. Daran ändert auch die tolle Aufholjagd nichts. Am Ende haben wir Rot-Grün verspielt. Jetzt läuft wohl alles auf eine Große Koalition hinaus, auch wenn andere Optionen möglich sind. Mir wäre eine Ampelkoalition oder sogar die Opposition lieber. Schwarz-Rot wäre schon so etwas wie ein kleiner Verrat an dem Richtungswahlkampf. Die Unterschiede sind eben nicht minimal, wie beide Wahlprogramme deutlich machen. Außer wir verschärfen sogar den Teil unserer Politik, der bei vielen Menschen dazu geführt hat, uns nicht mehr zu wählen. Außer wir geben den Sozialdemokraten das Ruder in die Hand, die eh meinen, dass die Konzepte der Union ja gar nicht so schlecht sind und sich von sozialdemokratischen Werten schon verabschiedet haben. Man kann diese Position eventuell nachvollziehen, wenn ich sie auch sicher nicht vertrete, aber ich bin mir sicher, dass wir damit niemals wieder eine Mehrheit hinter uns bekommen würden.

 

Natürlich müssen wir reformieren, wir müssen auch die Partei erneuern. Die Konzepte von 2005 können und dürfen nicht mehr die Konzepte von 1980 und davor sein. Doch die Werte der 70er Jahre gelten immer noch. Ich befürchte eher, dass eine Große Koalition die Erneuerung der Partei verhindern wird und insgesamt den Stillstand verwaltet, als nach vorne schaut. Zwei Argumente lassen sich allerdings nicht wegdiskutieren. Erstens gibt es keine Alternative für die nicht ebenfalls viele Gegenargumente in Feld geführt werden könnte. Zweitens haben wir natürlich die Chance in diesem ungeliebten Bündnis, die schlimmsten Grausamkeiten der Union zu verhindern. Noch ist nichts entschieden, vieles steht in den nächsten Tagen und Wochen auf dem Spiel.