Klimakonferenz auf Bali

Tagebucheintrag 14. Dezember 2007

 

Statt auf den Schienen notiere ich meinen Eintrag in der Luft etwa über der polnischen Südostgrenze. Wir sind jetzt mit dem langen Zwischenaufenthalt in Singapur schon fast einmal rund um die Uhr unterwegs.

 

Eine Woche Indonesien, ein Gefühlsbad zwischen gigantischen Impressionen, Hilflosigkeit, Erfahrungen sammeln, Hoffnungen und Schlafmangel. Die Konferenz war auch nach unserer Abreise noch nicht beendet. Bis zum Ende wird wohl noch um ein Ergebnis gestritten und gerungen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich alle Verhandlungsführer darüber bewusst sind, welche eine große Verantwortung auf ihren Schultern liegt. Hier geht es um nichts anderes, als darum die größte, globale Herausforderung dieses Jahrhunderts anzugehen und die Klimaerwärmung so zu begrenzen, dass keine Katastrophe daraus erwächst. Noch ist das möglich, aber nur wenn es endlich gelingt, dass global gehandelt wird. Dazu brauchen wir die Konferenzen, dazu brauchen wir ein Ergebnis, was uns weiterbringt und nicht nur besagt, dass wir den Klimawandel ernst nehmen und weiter verhandeln.

 

Auf Bali folgt nächstes Jahr Poznan und dann Kopenhagen. Spätestens dann muss ein verbindlicher Plan zur Reduzierung der Klimagase vereinbart werden. Dazu muss jetzt der Weg und die Leitplanken gesetzt werden. Alle kennen den Zeitdruck und dennoch wird gebremst, geblockt und wie auf einem Basar gefeilscht. Die Bremser haben keine guten Argumente, deshalb schweigen sie meist und am Ende verweigern sie ihre Unterschrift. Weil aber die Beschlüsse nur einstimmig geschlossen werden müssen, richtet sich das Tempo nach der langsamsten Schnecke. Das Unverständnis und die tiefe Enttäuschung beispielsweise vom Vertreter der Fidji-Inseln ist verständlich. Dort spürt man den Klimawandel schon lange, er raubt den Bewohnern des Inselstaates nach und nach ihre Lebensgrundlage und ihre Heimat. Wir befinden uns Mitten im Klimawandel, gerade die Hauptverursacher der Erwärmung – die Industrienationen – tun aber teilweise immer noch so, als wenn wir noch ewig Zeit hätten. Hoffentlich können die deutschen und die anderen fortschrittlicheren Verhandlungsführer doch noch einen Teilerfolg erringen. Von Bali muss das Zeichen ausgehen, dass die Ergebnisse des IPCC (UN-Klimarates) die Grundlage für die Reduzierung der Klimagase sein muss. Wie auch immer die Formulierung dann aussehen mag. Wir können nicht darauf warten, dass nach dem ignoranten Energielobbygesteuerten australischem Präsidenten auch sein großer US-Bruder endlich von einem fortschrittlicheren Nachfolger abgelöst wird. Es ist unglaublich wie einige wenige Männer, so viel verhindern und zerstören können.

 

Es war eine spannende und wichtige Erfahrung für mich, bei solch einer Konferenz dabei zu sein. Zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Vorträgen und Besprechungen, zwischen klimatisierten Konferenzräumen und der Treibhaushitze im Freien. Bali im Dezember, mit 30 Grad im Schatten, immer über 80% Luftfeuchtigkeit und der heftigen Zeitverschiebung war für uns ein fast surrealer Veranstaltungsort. Eindrücke die mich überfluteten, die ich erst nach und nach verarbeiten kann. Es war gut, dass wir vor der Konferenz noch drei Tage auf Borneo waren, sonst hätten wir außer dem Klima, dem Hotel und den Tagungsräumen gar nichts von Indonesien mitbekommen. Auf Borneo haben wir den echten Regenwald betreten und mitbekommen, wie stark er schon abgeholzt wurde und wie sehr er insgesamt gefährdet ist. Es war ein wichtiger Eindruck. Die Bedeutung des Regenwaldes für unser Klima, aber auch für die riesige Artenvielfalt hat sicher von uns auch vorher keiner unterschätzt. Jetzt fühlen wir uns aber noch stärker verpflichtet der Zerstörung zu begegnen. Schon dafür hat sich die Fahrt gelohnt.