Hitzewelle und Regierungserklärung

Tagebucheintrag 27. April 2007

 

Das Thermometer in Berlin zeigte mittags einen Wert von 26 Grad im Schatten. Zwei Wochen vorher war es in Deutschland auch schon so warm. Ich kann mich nicht erinnern, dass es im April so wenig Regen gab. Die Experten sprechen schon jetzt vom wärmsten und trockensten Frühlingsstart seit Jahrzehnten, vielleicht sogar der letzten 100 Jahre. Dieser Sommer könnte ähnlich schlimm werden wie im Jahr 2003. Was für Freibäder und Getränkeindustrie erfreulich sein mag, ist insgesamt sehr bedenklich.

 

Die Landwirtschaft rechnet jetzt schon mit riesigen Ausfällen. Vor allem Kleinkinder und ältere Menschen werden verstärkt gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sein. Leider sind solche Meldungen schon fast keine Sensation mehr. In 20 Jahren könnte der Sommer 2003 ein Durchschnittssommer sein. Wöchentlich landen auf meinem Schreibtisch Studien, Berichte über Wetterrekorde und bedrohlichen Klimaveränderungen. Immer stärker ist das Thema nun auch in die Öffentlichkeit gelangt. Das Lügengebilde von den Leugnern und Skeptikern bricht endgültig in sich zusammen. Klar gibt es immer noch bezahlte "Beschwichtiger", aber kein seriöser Klimaexperte bezweifelt die Ergebnisse des Weltklimarates, den über 2000 führende Wissenschaftler aus aller Welt erarbeitet haben. Er wurde sogar noch abgeschwächt, weil vor allem China und die USA erheblichen Druck ausgeübt haben. Dennoch ist er mehr als besorgniserregend (mehr dazu auf der Internetseite des BMU).

 

30 Jahre warnen Wissenschaftler vor der Klimaveränderung, 30 Jahre haben wir die Gefahr größtenteils verdrängt, ignoriert oder geleugnet. Die halbherzigen Maßnahmen waren Tropfen auf einem immer heißer werdenden Stein. Lobbyinteressen einiger Wirtschaftsunternehmen waren stärker als Umweltschutzverbände, einige engagierte Politiker und aufklärende Journalisten. Jetzt ist die Erkenntnis überwältigend und nicht mehr weg zu diskutieren. Dennoch werden wirklich zwingende Maßnahmen herausgezögert und blockiert. Es haben immer noch nicht alle kapiert, was hier wirklich auf den Spiel steht. Leider auch in meiner Partei und Fraktion. Aber immer mehr meiner Fraktionskollegen wollen sich von dieser Ignoranz und von den „Ausbremsern“ nicht mehr beeindrucken lassen. Glücklicherweise hat der Bundesminister die Zeichen der Zeit erkannt. Auch deshalb kam es gestern zu einer Regierungserklärung zum Klimaschutz im Bundestag. Zur Kernzeit (Donnerstag 9-12 Uhr) haben wir über das wichtige Thema debattiert und Sigamr Gabriel hat als Umweltminister das erste Mal so etwas wie einen Maßnahmenkatalog der Regierung vorgestellt. Dieser ist immer noch sehr zaghaft (weil er mit den anderen Ministerien abgesprochen werden musste), aber immerhin ein erster umfassenderer Ansatz. In meiner Rede zur Regierungserklärung bin ich auch noch einmal auf die „Klima-Beschwichtiger“ eingegangen. Meine Arbeitsgruppe Umwelt hat sich fest vorgenommen die Fraktion und die Regierung bei diesem Thema zu treiben. Vor allem die Union bewegt sich nur im Schneckentempo. Blockierer wie der Wirtschaftsminister Glos machen mich rasend. Dass solche Leute noch ernsthaft im Jahr 2007 Klimaschutz bekämpfen wo sie nur können, ist nicht nur dumm und verantwortungslos, sondern nicht mehr hinnehmbar. Hier geht es nicht um eine Ideologie, sondern um die Zukunft unserer Lebensgrundlagen. Der Klimawandel ist nicht in erster Linie eine ökologische, sondern vor allem eine ökonomische und soziale Bedrohung. Die Natur wird überleben, so wie sie alle Eiszeiten und Wärmeperioden überlebt hat. Immer wieder kam es zum Massensterben von Tieren und Pflanzen. Immer hat sich aber auch neues Leben entwickelt. Wir Menschen sind die bedrohte Spezies. Klimaschutz ist Menschenschutz.