Die Ursprünge der Demokratie
Hier finden Sie kurze Zusammenfassung der Ursprünge unserer Demokratie.
Altertum
Die Demokratie mag den Menschen. Sie ist wie ein Schulterklopfen, ein Vertrauensbeweis, glaubt sie doch an das Gute, an die Vernunft im Menschen. Sie schenkt ihm die Freiheit zur Selbstbestimmung. Die Volksherrschaft ist ein uraltes Konzept. Zum ersten Mal erprobten es die Griechen, 9 Jahrhunderte vor Christus. Ihre Gemeinschaft, die Polis, regierte die Volksversammlung per Mehrheitsbeschluss, also basisdemokratisch. Doch die Mehrheit des Volkes hatte damals nicht das Recht an dieser gesetzgebenden Versammlung teilzunehmen. Sklaven, Frauen und Ausländer waren ausgeschlossen.
Mittelalter
Nach dieser frühen Blütezeit verschwand die Demokratie über Jahrhunderte fast völlig. Monarchie, Tyrannei, Herrschaft von Gottes Gnaden, dies waren die Modelle des Mittelalters. Modelle, die den Menschen einer absoluten, höheren Macht unterordneten. Wenige ?Auserwählte? hatten das Sagen. Der Mensch war zum Untertan, zum Befehlsempfänger degradiert.
Aufklärung
Im 17. Jahrhundert sprach der Philosoph Descartes dann einen berühmten Satz, der half, die Demokratie zurückzubringen: ?Ich denke, also bin ich?. Die Epoche der Aufklärung begann. Descartes und andere waren überzeugt, dass der Mensch ein vernunftbegabtes Wesen sei. Ein Wesen, das nicht willkürlich beherrscht werden darf. Im Zeitalter der Vernunft, der Aufklärung, war es en vogue darüber nachzudenken, wie der Mensch am besten aus den Klauen des Mittelalters zu befreien sei. Viele versuchten sich an Konzepten, aber vor allem drei Theoretiker müssen erwähnt werden. Ihre Modelle sind sich ebenbürtig ? sie haben die moderne Demokratie geprägt:
John Locke
Der englische Denker war keine Schönheit. Eine riesige Nase dominierte sein schon früh zerfurchtes Gesicht. Dennoch glaubte er bedingungslos an das Gute und Schöne im Menschen. Locke lehnte die absolute Monarchie ab. Er verlangte eine politische Ordnung, die von dem Grundsatz völliger Freiheit und Gleichheit aller Menschen bestimmt ist. Die Rücksicht auf andere und wenige Regeln für ein friedliches Zusammenleben sollten die einzigen Grenzen dieser Freiheit sein. Seiner Ansicht nach schließen sich die Bürger nur zu einem Staat zusammen, um ihre Gemeinschaft besser regeln zu können. Der Staat dient also den Belangen der Bürger. Er soll die Unversehrtheit des Eigentums und der Person gewährleisten. Ansonsten sind seine Einflussgebiete stark begrenzt. Der Staat muss seine Taten vor den Bürgern rechtfertigen. John Locke begründete mit diesen Gedanken die liberale Demokratie.
Charles de Secondat Montesquieu
Elegant wie sein Name war auch die wallende Haarpracht des Franzosen. Sein größter Feind war der Despot, sein größter Traum eine freie, gerechte Demokratie. Doch Montesquieus Vertrauen in den Menschen war begrenzt. Auch in einer Demokratie, so fürchtete er, könne es zu Machtmissbrauch kommen. Deshalb entwickelte Montesquieu die Gewaltenteilung, die schon Locke ersonnen hatte, konsequent weiter. Er verlangte, die Macht auf drei unabhängige Gremien (Legislative, Exekutive und Judikative) zu verteilen. Zudem beschäftigte er sich mit der praktischen Seite seines Traums. Er hielt es für nicht ausführbar, alle Menschen an allen Entscheidungen teilhaben zu lassen. Deshalb müssten Repräsentanten, also Abgeordnete, das Volk bei der Entscheidungsfindung vertreten.
Jean-Jacques Rousseau
Er war der Revoluzzer, der Bürgerschreck unter den Theoretikern. Sein Modell ist radikal und in seiner Konsequenz noch immer unerprobt. Rousseau glaubte, dass der Mensch von Natur aus gut sei. Alles Böse hätten Institutionen und Organisationen verursacht, die den Naturmenschen von sich selbst entfremdet hätten. Rousseau will zu diesem Naturzustand zurück. Er will, dass sich die Menschen zu ihrem eigenen Schutz zusammenschließen und einen Gesellschaftsvertrag unterzeichnen. Hier vereinbaren sie, dass sie in Zukunft dem allgemeinen Willen (volonté générale) folgen wollen. Dieser hat das Wohl der Allgemeinheit im Auge, kann also den Einzelinteressen der Bürger durchaus widersprechen. Das Gute und Richtige muss also auch durch Zwang erreicht werden. Rousseaus Idealvorstellung ist die direkte Demokratie ohne Gewaltenteilung und Repräsentation, die er für unfreiheitlich hält. Rousseaus Idee ist edel, aber missbrauchsanfällig. Despoten können das Konzept des allgemeinen Willens für ihre Herrschaftszwecke instrumentalisieren.
Der Siegeszug der Demokratie
So unterschiedlich diese Theorien sind, sie alle haben die Entwicklung der Demokratie gefördert und fundiert. Nachdem diese Gedanken einmal gedacht waren, ließen sie sich nicht mehr aufhalten. Die Zeit der Bürgerrechte hatte begonnen. Die britische ?Declaration of Rights? (1689), die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776) und die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika (1787/91) orientierten sich an den Theorien der Väter der Demokratie. 1789 zogen die Franzosen im Namen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durch die Straßen, um die Französische Monarchie durch eine Demokratie zu ersetzen. Danach gab es noch viele Rückschläge und Irrwege, nach und nach sollte sich der demokratische Staat zumindest in Europa und in vielen weiteren Ländern immer mehr durchsetzen. Doch noch immer gibt es zahlreiche Länder in denen undemokratische Regierungsformen vorherrschen oder die Volksherrschaft sich bei näherer Betrachtung als eine Mogelpackung herausstellt. Zudem muss eine Demokratie immer wieder verteidigt und neu erkämpft werden.


