Marie-Elisabeth-Lüders-Haus
Nordöstlich vom Reichstagsgebäude, und als einziges Regierungsgebäude auf der dem Reichstag gegenüberliegenden Seite der Spree gelegen, befindet sich das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Es ist durch eine doppelstöckige Brücke mit dem Paul-Löbe-Haus verbunden, was das Bild eines Brückenschlags von West nach Ost als Zeichen der wiedervereinigten Stadthälften Berlins verwirklichen soll. Der untere Teil der Brücke ist für Fußgänger begehbar. Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus soll an historisch authentischem Ort auch an den Verlauf der Mauer und seiner Opfer erinnern. Teile der Mauer sind als Mahnmal in die Struktur des Gebäudes integriert.
Marie-Elisabeth Lüders (1878 - 1966)
Die liberale Politikerin gehörte zu den bedeutendsten Sozialpolitikerinnen und wichtigsten Vertreterinnen der Frauenbewegung in Deutschland. Neben der Gleichberechtigung der Frau galt ihr politisches Engagement dem Kinder- und Jugendschutz und der Beseitigung sozialer Not.
Das Gebäude
Mit dem "Sprung über die Spree" entstand ein Bundestagsneubau, der vornehmlich die zentrale Parlamentsbibliothek mit Pressedokumentation und Parlamentsarchiv, einen Anhörungssaal, ca. 600 Büros und Besprechungsräume sowie die Fachbereiche der wissenschaftlichen Dienste beherbergt. Die mittig angeordnete Halle bildet eine transparente West-Ost-Achse. Unterhalb der Halle befinden sich die Magazine der Bibliothek, darüber sind die sieben- bis neungeschossigen Bürokämme angeordnet.
Herzstück des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses ist die Bibliotheksrotunde. Die nicht öffentliche Bibliothek enthält Nutzungs-bereiche für Abgeordnete, Fraktionen und Mitarbeiter des Deutschen Bundestags einschließlich des sich über mehrere Ebenen staffelnden Lesesaals und Bera- tungsbereichs.
Beeindruckend ist auch der große Anhörungssaal, in dem künftig vor allem Untersuchungsausschüsse arbeiten werden. Unter diesem Raum liegt die so genannte Bramante-Treppe, benannt nach dem ersten Architekten der Hochrenaissance, der 1503 auch zum ersten Architekten der neuen Peterskirche in Rom wurde. Weiter südlich führt eine repräsentative Freitreppe auf eine Terrasse, die der Öffentlichkeit einen spektakulären Blick auf das Reichstagsgebäude eröffnet.
Die Bibliothek
Man könnte das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus auch als Haus der Wissenschaften bezeichnen, denn es ist Heimstatt großer Funktionsbereiche der Wissenschaftlichen Dienste, einer von drei Abteilungen innerhalb der Verwaltung des Bundestages, in der rund 500 Mitarbeiter beschäftigt sind. Seit 1999 werden täglich rund 750 Presseartikel aus 60 Zeitungen, Magazinen und Pressediensten des In- und Auslandes erfasst, mit Schlagworten versehen und für die Recherche im Intranet aufbereitet. Im Pressearchiv, das seit 1950 geführt wird, liegen 23 Millionen Presseausschnitte bereit.
Die Bibliothek des Bundestages ist inzwischen nach Washington und Tokio die weltweit drittgrößte Parlamentsbibliothek. Weit über 1,2 Millionen Bände, zirka 9.300 Periodika, Spezialsammlungen von Parlamentsmaterialien und Amtsdruckschriften sind in ihrem Besitz. 1949, im Jahr der Einrichtung, waren es 1.000 Bücher. Jährlich kommen rund 21.000 neue Bände hinzu. Sichtbares Herzstück dieser geistigen Reichtümer ist die Bibliotheksrotunde, gegliedert in fünf Ebenen, darunter eine Auskunfts- und Beratungsebene, ein Lesesaal und die darüber liegende Galerie. 22.000 Bände finden in der Rotunde Platz. Alle verabschiedeten und nicht verabschiedeten Gesetze, Gutachten, Stellungnahmen, Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes, sämtliches Schriftgut des Bundestages, seiner Ausschüsse und Gremien, ein umfangreiches Ton- und Bildarchiv, Wahlkampfmaterialien, alle stenografischen Berichte sind für die Nutzer verfügbar.
Über all diesen Möglichkeiten, gesammeltes Wissen für politisches Handeln zu nutzen, steht in neonblauer Schrift hoch oben in der Rotunde der Bibliothek die von Maurizio Nannucci formulierte Vision: "Freiheit ist denkbar als Möglichkeit des Handelns unter Gleichen/Gleichheit ist denkbar als Möglichkeit des Handelns für die Freiheit."
Die Technik
Beim Energie- und Haustechnikkonzept wurde insbesondere auf die Reduzierung der CO2-Belastungen und die Minimierung des Energieeinsatzes sowie der Betriebs- und Energiekosten Wert gelegt. Die Verwendung regenerativer Energiequellen ist durch die Einbindung in die integrierte Strom-Wärme- und Kälteerzeugung gewährleistet, wie sie das übergreifende Energiekonzept der Parlamentsbauten auf der Basis der beiden Blockheizkraftwerke im Reichstagsgebäude und Paul-Löbe-Haus bietet.
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: http://www.bundestag.de/kulturundgeschichte/architektur/luedershaus/index.html


