Welcher Fleischliebhaber verzichtet schon gerne mal auf ein saftig gegrilltes Steak, einen Braten oder Gulasch vom Rind. Vermutlich wird sich kaum einer bei dem Verzehr eines Rindersteaks Gedanken über den Klimawandel oder gar über die Verbindung zwischen Rind und Klima machen.
Wie allen Wiederkäuern entfährt dem Rind sowohl von hinten als auch von vorne das Gas Methan. Im Magen einer Kuh entstehen im Jahr allein 75 Kilogramm Methan. Im Vergleich zu Kohlendioxid wirkt Methan 23-mal klimaschädlicher. Allerdings sind Methan und Kohlendioxid nur bedingt vergleichbar, da die Verweildauer von Methan in der Atmosphäre mit 9-15 Jahren deutlich kürzer ist als bei Kohlenstoffdioxid. Im Schnitt wird Kohlendioxid erst nach 120 Jahren in der Atmosphäre abgebaut.
Insgesamt emittieren die Wiederkäuer rund 112 Millionen Tonnen CO2 im Jahr. Die Milliarden Kühe, Ziegen und Schafe auf unserer Welt tragen einen enormen Anteil an unserer Erderwärmung bei.
Um ein Kilogramm Rindfleisch zu erzeugen, braucht man 16 Kilogramm Getreide. Auf der dafür benötigten Fläche ließen sich im selben Zeitraum 200 Kilogramm Tomaten oder 160 Kilogramm Kartoffeln ernten. Um den ansteigenden Fleischhunger der Welt - vor allem in Europa - zu stillen, werden immer mehr Regenwälder abgeholzt, um Flächen zu Rinderweiden oder Sojafeldern umzuwandeln. Soja ist eine sehr proteinreiche Bohne, die gerne als Tierfutter eingesetzt wird. Allein die Europäische Union importiert im Durchschnitt jährlich etwa 15 Millionen Tonnen Sojabohnen. Davon werden rund 11,5 Millionen Tonnen zu Tierfutter verarbeitet.
Die Folgen der Waldzerstörung heizen den Treibhausgaseffekt auf erschreckende Weise an. (Siehe auch: ?Wussten Sie schon, dass die Waldzerstörung den Klimawandel massiv anheizt??)
Die Organisation Foodwatch hat in einer umfassenden Studie die Klimawirkungen der deutschen Landwirtschaft untersucht. Dabei wurde u.a. unterschieden zwischen konventioneller und ökologischer Anbauweise.
Die Studie ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Landwirtschaft in Deutschland annährend so viele klimaschädliche Gase verursacht wie der Straßenverkehr, nämlich 13 Prozent der Treibhausgase insgesamt (Landwirtschaft: 133 Millionen Tonnen; Straßenverkehr 152 Millionen Tonnen). Weltweit verursacht die Fleischproduktion 18 Prozent der Treibhausgase. Im Vergleich dazu liegt der weltweite Verkehrsektor bei 13 Prozent.
Vergleicht man die Herstellung von einem Kilo Biomastfleisch mit Autokilometern, kommt man zu folgendem Ergebnis: ein Kilo Biomastfleisch hat die gleiche Emissionsbilanz wie ein sparsames Auto, das eine Strecke von 113,4 Kilometer zurücklegt. Natürlich lässt der Vergleich Schwankungen zu, aber er gibt einen deutlichen Richtwert vor.
Gäbe es ein Umdenken in der deutschen und internationalen Landwirtschaft, so könnte sie einen enormen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Der Ausstoß an Treibhausgasen könnte bis zu 60 Prozent gesenkt werden, das wären allein in Deutschland umgerechnet 80 Millionen Tonnen CO2 jährlich.
Eine einfache Maßnahme wäre zum Beispiel der Stopp der Nutzung von Moorböden. Um mehr Anbauflächen zu gewinnen, werden in Deutschland Moorböden entwässert. Moore binden extrem viel CO2. Das bei der Bewirtschaftung freigesetzte Kohlendioxid macht mit 30 Prozent den größten Anteil der landwirtschaftlichen Emissionen aus.
20 Prozent der Emissionen könnte man durch eine komplette Umstellung von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft reduzieren. Im Gegensatz zum konventionellen Landbau verzichten die Ökobauern auf energieintensiv hergestellten Stickstoffdünger, der auf den Feldern Lachgas absondert. Dies ist 300-mal so schädlich wie Kohlendioxid.
Aber um den landwirtschaftlichen Treibhaus-Ausstoß langfristig um 60 bis 80 Prozent zu senken, müsste vor allem der Verzehr von Rindfleisch und Milchprodukten reduziert werden. Das würde bedeuten, dass wir auch unsere Lebensgewohnheiten umstellen müssten. Für die eigene Klimabilanz ist es wichtig, wie viel Rindersteaks und Milchprodukte ein Mensch isst. Man muss sicher nicht gänzlich auf sein Rindersteak verzichten, aber es wäre ein Anfang, wenn wir Fleisch nicht mehr in rauen Massen und täglich zu uns nehmen würden. Das wäre zudem auch deutlich gesünder.
Hier finden Sie die Studie von Foodwatch:


