Wussten Sie schon, dass bereits heute viele Menschen vor den Folgen des Klimawandels fliehen müssen?
Auch wenn die Zahl der Klimaflüchtlinge sich nicht genau beziffern lässt, steht fest: Der Klimawandel und seine Folgen, wie Wassermangel und Dürrekatastrophen, sind schon heute ein Hauptgrund für Migration und Vertreibung – vor allem in Afrika.
Auf dem afrikanischen Kontinent leben 28 Prozent der weltweiten Flüchtlinge und 50 Prozent der Binnenflüchtlinge und das obwohl nur 12 Prozent der Weltbevölkerung Afrikaner sind. Gründe für verstärke Migrationsbewegungen sind neben Faktoren wie Bürgerkrieg und Armut auch Folgen des Klimawandels – dies haben Forscher der Universität Hannover und der United Nations University in Bonn herausgefunden.
Wenn man die Ursachen von Konflikten und Armut näher beleuchtet, kommen die Aspekte Umwelt und Klimawandel ins Spiel. Ein Einfluss von Umweltveränderungen auf menschliche Mobilität ist erkennbar und er wächst stetig. So lässt beispielsweise in Ghana und Mosambik der Wassermangel die Menschen immer häufiger gen Süden und in die Städte ziehen. In Niger und dem Senegal wandern aufgrund der immer weiter voranschreitenden Wüstenbildung inzwischen viele Menschen in andere Staaten der Region.
In der Studie „Obdach gesucht“ von CARE International aus dem Jahre 2009 (http://www.careclimatechange.org/files/reports/Obdach%20gesucht_Druckversion191109.pdf) wird herausgearbeitet, dass die Bodendegradation eines der Hauptprobleme in Afrika ist. Schon heute sind dort ca. 65 Prozent der kultivierbaren Böden degradiert. Zwischen 2000 und 2005 haben West- und Zentralafrika 1,36 Mio. ha Waldfläche pro Jahr verloren, was insgesamt einer Fläche von 67.800 km² entspricht. Zusammen mit dem immer noch anhaltenden Bevölkerungswachstum führen Klimawandel und Bodendegradation dazu, dass sich die Pro-Kopf-Produktion in der Landwirtschaft immer weiter verringert und auch Brennholz knapper wird. Hinzu kommt die Abnahme von Niederschlägen in einigen Gebieten, mit den entsprechenden Folgen für die vom Regen und künstlicher Bewässerung abhängige Landwirtschaft. Die daraus resultierende Nahrungsmittelknappheit und verstärkte Hungersnöte in Dürrejahren bedingen schließlich verstärkte Migrationsbewegungen in städtische Gebiete oder fruchtbare Ackerbaugebiete.
Insgesamt ist laut der CARE-Studie der Zusammenbruch von Existenzgrundlagen, die vom Ökosystem anhängig sind, schon heute eine der treibenden Kräfte von Migrationsbewegungen. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird sich dieser Trend aller Wahrscheinlichkeit nach noch verstärken. Wenn die Ärmsten der Erde nicht dabei unterstützt werden, resistente Lebensgrundlagen aufzubauen, wird der Klimawandel vor allem ihre Situation immer weiter verschlechtern.
Die durch den Klimawandel zunehmende Häufigkeit und Intensität von Naturkatastrophen wie Wirbelstürmen, Fluten und Dürren wird außerdem dazu führen, dass die Zahl von vorübergehend vertriebenen Menschen steigt. Betroffen ist auch hier wieder vor allem die Bevölkerung in ärmeren Ländern, die nicht in der Lage sind, ausreichend in Katastrophenvorsorge zu investieren.
Daneben spielt bereits heute die saisonale Migration eine wichtige Rolle dabei, wie Familien mit Umweltveränderungen zurechtkommen. Diese Migration wird in Zukunft genauso zunehmen, wie Wanderungen von Ort zu Ort, um Ökosysteme zu finden, die eine ländliche Existenz ermöglichen.
Um mit den Herausforderungen umzugehen, die die klimabedingte Flucht und Vertreibung mit sich bringt, muss die Politik umdenken und praktische Ansätze entwickeln: In erster Line geht es natürlich darum, den Klimawandel so weit es geht aufzuhalten und die Erwärmung der Erde, durch die massive Reduktion von Treibhaus-Emissionen, auf höchstens zwei Grad zu begrenzen. Daneben müssen wir die Klimaflucht vor allem unter dem Aspekt der menschlichen Sicherheit sehen: Es gilt die Würde und Grundrechte derjenigen, die fliehen mussten, zu schützen und die Fähigkeit der Menschen, sich auf die Auswirkungen des Klimawandels einzustellen, zu stärken. Die internationale Gemeinschaft muss außerdem dafür Sorge tragen, dass finanzielle Mittel diejenigen, die sie am dringendsten benötigen, auch erreichen und die betroffenen Bevölkerungsgruppen in Entscheidungen über z. B. Anpassungsstrategien einbezogen werden. Denn das Aufhalten des Klimawandels und der Schutz der Menschen vor seinen Folgen, wird nur in einem gemeinsamen Kraftakt gelingen.


