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Jetzt denken Sie wahrscheinlich, dass kann doch gar nicht sein. Es heißt doch immer, dass die Deutschen Weltmeister im Wassersparen sind und dass der tägliche Haushaltswasserbedarf in Deutschland auf weniger als 130 Liter pro Person zurückgegangen ist. (Im Vergleich: ein Amerikaner oder auch ein Japaner benötigen im Schnitt bis zu 300 Liter Wasser täglich.)

Das stimmt auch, allerdings sind diese 130 Liter nur ein sehr geringer Teil unseres tatsächlichen Wasserverbrauchs. Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie viel Mengen Wasser erforderlich sind, um all die Waren zu produzieren, die wir täglich kaufen? Fleisch, T-Shirts, Kaffee etc.

Für dieses ?versteckte? Wasser hat der englische Geograf Tony Allan Mitte der Neunziger Jahre den Begriff ?virtuelles? Wasser geprägt. Mit virtuellem Wasser ist die Wassermenge bezeichnet, die nach einer umfassenden Bilanz als tatsächlich verbrauchte Menge pro Produkt anfällt.

In einer Tasse Kaffee zum Beispiel verbergen sich ca. 140 Liter virtuelles Wasser. Das ist mehr als ein Bürger am Tag an Leitungswasser verbraucht, nämlich 126 Liter.

Die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts benötigt 2000 Liter Wasser. Dies ist zum Beispiel die Folge ineffizienter Bewässerungstechniken in vielen Baumwolle-Anbauländern.

Auf der ganzen Welt werden ca. 70 Prozent des Wassers, das der Mensch verbraucht, in der Landwirtschaft genutzt. Bei der Produktion von Fleisch ist der Wassereinsatz bzw. -verbrauch besonders hoch. Zum einen saufen Rinder sehr viel, zum anderen fressen sie sehr viel Gras, das wiederum zum Wachsen genügend Wasser braucht. So kommt es, dass am Ende für ein Rindersteak tausende Liter Wasser erforderlich sind.

Für die Produktion von 1 kg Rindfleisch (ohne Knochen) werden im Schnitt 6,5 kg Getreide, 36 kg Raufutter und 155 Liter Wasser für das Tränken der Rinder und für die Haltung benötigt. 15.300 Liter Wasser werden gebraucht, um das Futter für die Rinder zu produzieren!

Das Unesco Institute for Water Education (Unesco-IHE) mit Sitz in den Niederlanden geht davon aus, dass wenn die ganze Welt so viel virtuelles Wasser verbrauche würden wie zum Beispiel die Menschen in Nordamerika, bräuchten wir weltweit 75 Prozent mehr Wasser für die Nahrungsmittelproduktion als heute.

In Industriestaaten wie Deutschland oder den Niederlanden mit einem hohen Außenhandel tragen importierte Produkte aller Art zu 50 bis 80 Prozent zum virtuellen Wasserverbrauch bei. Diese Länder exportieren aber wiederum über ihren Außenhandel große Mengen an virtuellem Wasser. Deutschland gehört zu den Top-Ten der Nettoimporteure von virtuellem Wasser. Das liegt vor allem an der Einfuhr von wasserintensiven produzierten Agrarprodukten wie Kakao, Kaffee und Tee. Man kann davon ausgehen, dass durch die zunehmende Globalisierung der Wasserverbrauch noch weiter zunehmen wird.

Noch ist das Thema ?virtuelles Wasser? ein Randthema. Allerdings wird das Luxusgut Wasser eines unserer Zukunftsthemen werden, denn klar ist, dass die globalen Wasserprobleme schnell gelöst werden müssen. Vor allem wegen der Klimaerwärmung werden immer mehr Regionen unter steigender Wasserknappheit zu leiden haben. Länder wie Spanien bekommen dies schon heute zu spüren. Das größte Problem ist aber immer noch, dass ca. 1,4 Milliarden Menschen auf unserer eigentlich sehr wasserreichen Erde immer noch keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser haben.

Wir müssen für diese Problematik sensibilisiert werden und wir müssen Lösungen entwickeln. Vielleicht berücksichtigen Sie bei ihrem nächsten Einkauf mal, wie viel virtuelles und kostbares Wasser für die Waren verbraucht wurden, die Sie in ihren Einkaufswagen legen.

 Mehr Informationen finden Sie unter:

www.waterfootprint.org