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12.11.07 23:22 Alter: 5 yrs

Preisanstieg beim Strom begrenzen und die wahren Gründe nennen! - Dies gilt auch für Dortmund

 

Zu den aktuellen Ankündigungen der Energieversorger und der DEW21 zu den Strompreiserhöhungen für das kommende Jahr erklärt Marco Bülow, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Dortmund und umweltpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion:

Sei Jahren erhöhen die Energieversorger die Strompreise und verdecken dabei die hauptsächlichen Gründe des Preisanstiegs. Es ist ärgerlich und schlichtweg falsch, wenn immer wieder der Staat und die Erneuerbaren Energien als Hauptpreistreiber diffamiert werden. Es lenkt davon ab, dass die Erhöhungen hauptsächlich nur deshalb vorgenommen werden können, weil durch die Oligopolstellung der vier großen Versorger kein wirklicher Wettbewerb stattfindet. Zudem veranschlagen bei detaillierten Auflistungen selbst die Energieversorger 3/4 der Preissteigerungen in den Bereichen Stromerzeugung, Transport und Vertrieb.

Leider betont auch die DEW21 bei ihren Preisanstiegen immer wieder die angeblich hohen Zusatzkosten durch die Erneuerbaren Energien. Wenn nur die wirklichen Mehrkosten der Erneuerbaren Energien auf den bisherigen Energiepreis aufgeschlagen würden, dann müsste die Strompreiserhöhung um über 95% niedriger ausfallen (Beispiel: Statt 6 Euro, dürfte die Erhöhung nur 30 Cent betragen). Dies wäre eine zusätzliche Belastung die wohl kaum den Protest auslösen würde, den die Unternehmen jetzt zu spüren bekommen.
Zudem führt die Einspeisung von Windkraft bereits teilweise zu Preis dämpfenden Effekten, die dann allerdings leider nicht an die Kunden weitergegeben werden.

Insgesamt gesehen kostet die Förderung der Erneuerbaren Energien einem Durchschnittshaushalt etwa 2 Euro monatlich. Dies entspricht den Stromkosten, die durch einen Videorekorder im gleichen Zeitraum anfallen.
Gleichzeitig helfen die Erneuerbaren Energien aber viele Kosten einzusparen, die nicht auf der Stromrechnung erscheinen. Diese sogenannten „externen Kosten“ – wie Gesundheitsschäden, Folgen der Klimaerwärmung und Umweltbelastungen – werden eingespart, weil dadurch weniger belastende fossile Energieträger eingesetzt werden müssen.

Die Förderung der erneuerbaren Energien in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte. Sie stellen mittlerweile 15% der Stromleistung zur Verfügung, und damit können allein im Strombereichknapp 70 Millionen Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids vermieden werden. Zudem ist dadurch ein Zukunftsmarkt entstanden, der bereits 250.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat und deutschen Firmen einen Technologievorsprung beschert hat, welche der gesamten Wirtschaft zugute kommt. 

Es muss endlich Schluss sein mit der Diffamierung der Erneuerbaren Energien.
Natürlich kostet Energie seinen Preis und es gibt Gründe (wie die zunehmende Verknappung der fossilen Energieressourcen), welche die Erhöhung der Energiepreise insgesamt rechtfertigen. Allerdings wären die Anstiege moderater, wenn wir endlich mehr Wettbewerb in Deutschland erhalten. Hier ist aber auch die Politik gefragt, endlich aktiv zu werden. Die Schaffung von Wettbewerb und Transparenz auf dem Energiemarkt Deutschlands müssen in den kommenden Wochen und Monaten ganz oben auf die politische Agenda gesetzt werden – entsprechende gesetzliche Regelungen gilt es nun zu erarbeiten und schnellstmöglich auf den Weg zu bringen.

Zusatzinformationen

Zwischen den Jahre 2002 und 2006 hatten bundesweit die Preissteigerungen in den Bereichen Stromerzeugung, Transport und Vertrieb mit mehr als 75% den maßgeblichen Anteil an der Strompreiserhöhung für Verbraucher gehabt. Die staatlichen Abgaben und Steuern wie die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung und der Erneuerbaren und die seinerzeitige Einführung der ökologischen Steuerreform hatten einen Anteil an der Preissteigerung von knapp unter 25%, also einem Viertel.

Die aktuelle Förderung von Strom aus Erneuerbaren Energien macht im Jahre
2006 für einen Durchschnittshaushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch maximal 2 Euro pro Monat oder 0,7 Cent pro Kilowattstunde aus. Der weitere, notwendige Ausbau der Erneuerbare Energien wird zwar die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) nächstes Jahr erhöhen, aber dies würde umgerechnet auf einen Durchschnittshaushalt zu Mehrkosten von 10 Cent pro Monat führen. Folglich haben die Erneuerbaren Energien bei den Preissteigerungen von DEW21 (mit Ausnahme des Angebots „Unser Strom.mini“) gerade einmal einen Anteil von 3,1 Prozent (bei letzterem wären es 4,2 Prozent): 95 bis 97 Prozent der DEW21-Preissteigerungen haben also andere Ursachen!

Der Verweis auf die hohe Windeinspeisung in der DEW21-Pressemitteilung läuft vollends ins Leere, wenn man sich die Gesamteffekte auf dem Großhandelsmarkt anschauen würde. Eine Untersuchung von E.ON selbst hat letztes Jahr feststellen müssen, dass es durch die vermehrte Einspeisung von Windenergie und anderen Erneuerbaren Energien und dem entsprechend hohen Angebot an der Strombörse zu Preissenkungen kam. Das zusätzliche Stromangebot der Erneuerbaren Energien hat im Jahre 2006 insgesamt einen Preis dämpfenden Effekt auf die Großhandelspreise in Höhe von 5 Mrd. EUR gehabt.