Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung
Zum Andenken an die Bücherverbrennung vom 30. Mai 1933 findet in der Dortmunder Stadt- und Landesbibliothek am 30. Mai 2008 eine Lesung statt, eine Anregung der Bundestagsabgeordneten Erich G. Fritz und Marco Bülow.
„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“
Heinrich Heine, Almansor, 1821
Auf dem Hansaplatz verbrannten am 30. Mai 1933 Dortmunder Nationalisten, angeführt von SA, SS, Nationalsozialistischem Lehrerbund und Hitlerjugend. Hunderte Bücher von verfemten Autorinnen und Autoren der geistigen Elite der Weimarer Republik.
Schätzungsweise 50.000 Menschen sollen damals an dem Dienstagabend auf dem Dortmunder Hansaplatz versammelt gewesen sein. Mit Lastwagen wurden die zur Verbrennung bestimmten Bücher und Flugblätter auf den Platz gebracht und mit Reisig vermischt. Verschiedene Redner begründeten diesen ungeheuerlichen Vorgang als notwendige Säuberungsmaßnahmen. Es folgte die Verlesung der Namen der Autoren, die man verbrannt wissen wollte, zu ihnen gehörten unter anderem: Bertolt Brecht, Erich Kästner, Heinrich Mann, Klaus Mann, Sigmund Freud, Kurt Tucholsky und Ernest Hemingway.
Die seit dem 10. Mai 1933 im gesamten Deutschen Reich inszenierten Bücherverbrennungen stellten einen frühen Höhepunkt staatlicher Gewalt des NS- Regimes gegen demokratische, sozialistische, liberale und pazifistische Intellektuelle dar. Viele Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler erhielten in der Folge Arbeits- und Publikationsverbote wurden ausgebürgert, zur Flucht ins Exil gezwungen, verfolgt und ermordet.
Der Akt der Barbarei der Bücherverbrennung zeigte sich zudem als Fanal für die weiteren Verfolgungen und Massenvernichtungen von Menschen die dem NS Regime ein Dorn im Auge waren.
Da sich am 30. Mai der 75. Jahrestag der Bücherverbrennung in der Dortmunder Innenstadt und in Aplerbeck jährt, riefen die beiden Bundestagsabgeordneten Marco Bülow und Erich G. Fritz 2007 gemeinsam die Idee in Leben, hierzu eine Veranstaltung durchzuführen. Unter Ihrer Schirmherrschaft und in Zusammenarbeit mit der Stadt- und Landesbibliothek findet nun am 30. Mai 2008 eine zentrale Gedenkveranstaltung im Studio B der Stadt- und Landesbibliothek statt.
Ab 19 Uhr werden verschiedene Prominente Texte von Autoren lesen, deren Bücher damals verbrannt wurden. Als Vorleser werden unter anderem erwartet, der Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer, der Bundestagspräsident Norbert Lammert, der DGB Kreisvorsitzende Eberhard Weber und der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Dortmund Avichai Apel.
Ebenso finden am gleichen Tag verschiedenen Dortmunder Schulen Lesungen, zu diesem Gedenktag statt.
Der Rat der Stadt Dortmund plant anlässlich dieses Gedenktages eine Tafel auf dem Dortmunder Hansaplatz einzulassen.



