Abschaffung von Stehplätzen verhindern!
Zum Bundesligaauftakt und zur aktuellen Diskussion über eine mögliche Abschaffung der Stehplätze erklärt der Dortmunder SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow:
„Die Bundesliga startet und der BVB wird als Meister die Saison eröffnen. Knapp 26.000 Fußball-Fans werden dieses Spiel dann auch auf der Südtribüne verfolgen. Das ist einmalig in Europa. Die Südtribüne ist ein wichtiges Markenzeichen des BVB. Viele Emotionen, bewegende Choreographien und die tolle Unterstützung als 12.Mann zeichnen die Südtribüne aus. Auch für einkommensschwache und junge Fans besteht dort die Chance, regelmäßig Fußballspiele im Stadion zu verfolgen.
Leider wird in letzter Zeit - zum Beispiel nach den Ereignissen beim Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf-Hertha BSC - über die Abschaffung von Stehplätzen debattiert. Bundesinnenminister Friedrich hat unter anderem bei der letzten Innenministerkonferenz die Abschaffung von Stehplätzen ins Gespräch gebracht. Seitdem ist diese unsinnige Diskussion nicht wegzubekommen.
Es ist völlig falsch, eine Gleichung aufzumachen, nach der „keine Stehplätze“ „keine Gewalt in den Stadion“ bedeuten. Die komplette Abschaffung von Stehplätzen würde das Gewaltproblem in den Stadien mit Sicherheit nicht lösen. Dafür würde jedoch der Verdrängungsprozess bestimmter Fan-Schichten weiter forciert. Als abschreckendes Beispiel kann man die englische Premier League anführen. Hier kosten die günstigsten Dauerkarten bei Arsenal London 993 Euro, bei Manchester United sogar 1863 Euro! Dies hat dazu geführt, dass sich Teile der Fans den Eintritt nicht mehr leisten können. Das kann nicht unser Ziel sein, denn Fußballspiele sollen für alle erschwinglich bleiben. Beim BVB kostet die günstigste Dauerkarte für die Stehplatztribüne gerade einmal 187 Euro (ermäßigt 109 Euro).
Gemeinsam mit der SPD-Bundestagsfraktion fordere ich einen Dreiklang bei der Bekämpfung von Gewalt, Rassismus und Rechtsextremismus in den Fußballstadien: Kooperation, Repression und Prävention. Wir müssen weiterhin die Fanprojekte als präventive Einrichtungen stärken. Diese Arbeit darf nicht an (relativ gesehen) geringen Beträgen scheitern, denn die Folgekosten liegen um ein vielfaches höher. Zudem muss die Polizei zusammen mit den Ordnerdiensten in den Stadien für Sicherheit sorgen, denn nur die Polizei kann diese auch gewährleisten. Schließlich muss es zu einer verstärkten Kooperation zwischen den Fanvertretern, der Polizei sowie den Vereinen und ihren Sicherheitsdiensten kommen.
Ich werde mich mit allen Möglichkeiten gegen die Abschaffung wehren und im Bundestag nach Verbündeten suchen.“
zusätzliche Info:
Rein rechtlich gelten die Sicherheitsrichtlinien des DFB und die Lizenzierungsordnung der DFL. In diesen Richtlinien ist unter anderem festgeschrieben, dass die Stehplätze kontinuierlich in Sitzplätze umgewandelt werden sollen, aber bis zu 20 Prozent Stehplätze bleiben können (§ 9, 12. - Sicherheitsrichtlinien DFB). Darüber hinaus muss ein Stadion laut Lizenzierungsordnung von der Bauaufsichtsbehörde nach Maßgabe der jeweils gültigen Versammlungsstättenordnung der Bundesländer abgenommen werden (§ 6, 2. – Lizenzierungsordnung DFL). Theoretisch könnte also auf Länderebene eine solche Regelung erlassen werden.
