Soziale Ungleichheit

Ungleichheit in Deutschland - ein trauriges Rekordhoch

 

Deutschlands Wirtschaft ist seit den 1980er Jahren durch die steigende Ungleichheit 6% Wachstum verloren gegangen. Im Vergleich zu anderen OECD-Ländern ist bei uns die Ungleichheit bei Vermögen, Einkommen und Chancen besonders hoch und in den vergangenen Jahrzehnten massiv angestiegen. Die Armutsquote in Deutschland ist auf ein Rekordniveau gestiegen. Heute sind 12,5 Millionen Menschen (15,4% der Bevölkerung) von Armut bedroht. Die neoliberale Politik der letzten Jahrzehnte hat zu einer einseitigen Verschiebung des Wohlstandes zu Gunsten der Vermögenden, zu einem Abschmelzen der Mittelschicht und zu einer weiteren Abkoppelung der ärmeren Bevölkerung geführt. Das darf sich eine Gesellschaft nicht leisten, wenn sie den sozialen Frieden nicht gefährden möchte. Es gibt Alternativen, die weder aus der sozialistischen Mottenkiste stammen, noch utopisch sind. Deshalb möchte ich dieses Thema verstärkt aufgreifen und habe Materialien verfasst, die informieren und dabei helfen sollen, die dringend nötige Diskussion in Gang zu setzen:

 

  

Vermögen

 

Mittlerweile besitzen die reichsten zehn Prozent der Haushalte in Deutschland etwa 60% des Gesamtvermögens. Je nach Studie kommt die untere Hälfte der Bevölkerung auf etwa 1 - 3%. Damit weist Deutschland die höchste Vermögensungleichheit in der Eurozone auf. Gleichzeitig haben wir hierzulande extrem geringe Steuern auf Vermögen, nicht einmal halb so hoch wie im OECD-Durchschnitt. Das bleibt nicht unbemerkt. 82% der Menschen empfinden die ungerechten wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland als zu drastisch. 

      

Vermögensungleichheit in Deutschland alarmierend

 

Eigene Darstellung; Datengrundlage: Deutsche Bundesbank: Monatsbericht März 2016; Deutscher Gewerkschaftsbund: Verteilungsbericht 2016

 

     

Einkommen

 

 

Bei den Einkommen sieht es nicht besser aus. Auf der einen Seite verdient ein DAX-Vorstandsvorsitzender heute das 167-fache eines durchschnittlichen Einkommensbeziehers. Auf der anderen Seite bekommt jeder zehnte Beschäftigte so wenig Lohn, dass er davon nicht leben kann. Jeder fünfte Beschäftigte erhält einen Niedriglohn. Einkommen durch Vermögen steigen viermal so stark wie Einkommen durch Arbeit und werden steuerlich auch noch bevorzugt, wovon freilich jene mit ohnehin viel Vermögen profitieren. Die Extreme am oberen und unteren Rand der Einkommensskala werden immer stärker. Die Mittelschicht schmilzt. 

   

Entwicklung der Einkommen 2000 - 2012*

*Reallöhne, also Kaufkraft der Löhne
Eigene Darstellung; Datengrundlage: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: DIW Wochenbericht 25/2015

  

 

 

Chancengleichheit

 

Der größte Skandal ist: finanzschwache Haushalte haben schlechtere Voraussetzungen in nahezu allen Lebensbereichen - Bildung, Gesundheit, persönliche Entwicklung, soziale Teilhabe. Das "sich nach oben arbeiten" ist heute schwieriger, das Aufstiegsversprechen also nahezu hinfällig. Die soziale Lage wird in Deutschland immer häufiger vererbt. Studien zeigen, dass die Hälfte des Einkommens der Kinder hierzulande durch den Bildungsgrad und das Einkommen der Eltern bestimmt wird. Ein Drittel dessen, was in den kommenden 10 Jahren vererbt wird, geht an die oberen 2% der Bevölkerung. Es ist ethisch und moralisch nicht vertretbar, dass die Lebensbedingungen der Menschen so stark auseinandergehen. Eine demokratische Gesellschaft gegensteuernde Maßnahmen finanzieren, sodass Menschen eine faire Teilhabe haben.

       

Bildungschancen nicht gleich verteilt

 

Eigene Darstellung; Datengrundlage: Bundesministerium für Bildung und Forschung: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012. 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks 2013