„Klimawandel ist die größte Herausforderung dieses Jahrhunderts“

Zur Vorlage der ersten Teils des vierten Sachstandberichts des „Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen“ (IPCC) erklärt der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Marco Bülow:

Der Bericht des IPCC macht nochmals ganz deutlich: der Klimawandel ist menschengemacht und schreitet rascher voran als bisher angenommen. Dieser neue Bericht führt uns erneut vor Augen, in welchem besorgniserregenden Zustand sich das globale Klimasystem befindet.

Die Experten haben eine Reihe von Kernaussagen getroffen: Die Konzentration der Treibhausgase liegt deutlich höher als jemals zuvor in den letzen 650.000 Jahren und ihr Anstieg ist höher als in den letzten 20.000 Jahren.

Ohne Klimaschutzmaßnahmen prognostizieren die Rechenmodelle über alle Szenarien hinweg

• einen Anstieg der globalen Mitteltemperatur um 1,0 bis 6,3°C bis 2100, eineZunahme von 0,2°C pro Jahrzehnt für die nächsten 30 Jahre ist sehr wahrscheinlich, d.h. zu mehr als 90 % sicher.

• einen Anstieg des Meeresspiegels bis 2100 zwischen 19 und 58 Zentimeter,wozu die Ausdehnung des Wassers infolge der Erwärmung mit 60 bis 70 %beiträgt.

Das Wissen über regionale Klimaänderungen ist aufgrund besserer Rechenmodelle und –kapazitäten größer geworden. Wenn keine Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden, nimmt die Erwärmung der Kontinente und besonders der nördlichen Polregionen weiter zu. Wenn jetzt nichts gegen den Anstieg der Treibhausgase getan wird, ist laut IPCC ein weltweiter Temperaturanstieg von mehr als 4,5 Grad nicht auszuschließen. In der Arktis könnte es dann bis zu 6°C wärmer werden, was zum Abschmelzen des grönländischen Eisschilds führen könnte. Dabei ist die überraschend starke Eisschmelze in der Arktis noch gar nicht in die Modellrechnungen des IPCC einbezogen. Der Meeresspiegel könnte also noch weiter ansteigen,als jetzt schon befürchtet. Mit weltweit dramatischen Folgen. Davon würdeauch Deutschland nicht verschont bleiben.

Man darf sich keine Illusionen machen: der Klimawandel macht nicht vor unserer Haustür Halt. Das alles würde eben nicht nur bedeuten, dass die Sommer an der Ostsee heißer werden und man in den Alpen nicht mehr Skifahren kann; wenn wir jetzt nichts unternehmen, drohen auch uns vermehrt Jahrhundertfluten, Stürmewie „Kyrill“ und starke Unwetter, wie man sie in diesen Breitengraden bisher nicht kannte, die dann auch Dortmund betreffen.

Die Zeit der Skeptiker und Blockierer in Sachen Klimawandel ist endgültig vorbei.Wir brauchen die folgenden Berichtsteile nicht mehr mit Spannung abzuwarten,sondern sollten uns im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft und aufdem G8-Gipfel im Juni für klare Schlussfolgerungen über die europäischen Klimaziele (Reduktion der Treibhausgasemissionen in den Industrieländern um 30 Prozent bis 2020 und 60 – 80 Prozent bis 2050), einsetzen. Deutschland muss mit gutem Beispiel vorangehen und die anvisierte 40%-Reduzierung hinbekommen. Die Völkergemeinschaft der Industrie- als auch der Entwicklungsländer braucht ein UN-Nachfolgeprotokoll für Kyoto, die USA und Australien müssen mit ins Boot.

Klar ist aber auch, dass die zunehmende Erkenntnis über den Klimawandel nicht nur zu vielen Worten und Versprechen führen darf. Wer den Klimawandel wirksam bekämpfen möchte muss klare Maßnahmen in Angriff nehmen. Dies ist nur möglich, wenn man nicht jedes mal wenn es um konkrete Maßnahmen geht, dann doch wieder vor der Lobby einknickt. Wer jetzt handelt, spart in Zukunft viel Geld und erlangt in einem immer größer werdenden Zukunftstechnologiebereich einen wichtigen Standortvorteil.

Die Pläne zu vielen wichtigen Klimaschutzinstrumenten liegen auf dem Tisch. Wir fordern von der Regierung und dem Bundestag deshalb ein:

– Auf die Vorgaben der EU zum Emissionshandel (NAPII) uneingeschränkteinzugehen.

– Die deutsche Autoindustrie an ihrer Selbstverpflichtung für den Kohlendioxid-Ausstoß zu messen und verbindliche Grenzwerte festzulegen.

– Noch in diesem Jahr ein erneuerbares Wärmegesetz auf den Weg zu bringen.- Das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz zu novellieren und zu einem wirksamerenKlimaschutzinstrument auszubauen.

– Das Top-Runner-Programm auf EU-Ebene endlich zum Durchbruch zu verhelfen.

– Die Steuerbevorteilung des klimaschädlichen Flugverkehres in Bezug zuanderen Verkehrsmitteln endlich abzubauen.

– Den Aufbau einer Internationalen erneuerbaren Energieagentur voranzutreiben.