Antonio Caballero zum Kapitalismus

„Aber in Europa, und sogar im wilden Nordamerika der robber barons, entstanden bald legale und soziale Kontrollinstanzen. Dank ihnen gesellte sich zu der gigantischen, nie da gewesenen Fähigkeit, Reichtum zu schaffen, die Fähigkeit, diesen auch relativ demokratisch zu verteilen. Dazu trugen Gewerkschaften und Arbeiterparteien bei und letztlich auch Volksaufstände und soziale Revolutionen.

So wurde der Kapitalismus immer moderater, bis er sich irgendwann in den Kapitalismus »mit menschlichem Antlitz« des Wohlfahrtsstaats verwandelte. Ebenjenen Wohlfahrtsstaat, der heute in der Zwickmühle steckt. Die Kontrollinstanzen sind geschwächt oder gar verschwunden. Zurück bleiben die Ideen der neoliberalen Rechten: Thatcher, Reagan und ihrer Jünger. Gleichzeitig hat der Niedergang des Kommunismus schon längst die Angst vor Revolutionen verdampfen lassen. Erst diese Angst hatte den Wohlfahrtsstaat der Nachkriegszeit möglich gemacht.“

gefunden in: Die Zeit, „Die Dritte Welt ist überall“, 24.11.2011, Nr. 48