Bericht zur Diskussionsveranstaltung am 07.05.2018 in Dortmund

Im Rahmen meiner Sozialtour organisierte ich für den 07.05.2018 eine größere Veranstaltung zum Thema „Armes Deutschland – Wie kann ein so reiches Land so viel Armut zulassen?“ in meinem Wahlkreis in Dortmund, zu der 70 Gäste erschienen. Zu Wort kamen unter anderem Katrin Lauterborn vom Gast-Haus statt Bank sowie Ursula Wierling von der KANA Suppenküche, die von ihren Erfahrungen aus der Praxis berichteten.

Ich machte gleich zu Beginn deutlich: „Aus unserer Aufstiegsgesellschaft ist eine Abstiegsgesellschaft geworden. Das Armutsrisiko in Deutschland steigt, obwohl die Wirtschaft boomt“, und lieferte hierzu einige Fakten. Die reichsten 10 Prozent der Haushalte in Deutschland besitzen über 60 Prozent des Vermögens. Auf der anderen Seite verfestigt sich die Armut. 2016 galt bereits jede sechste Person in Deutschland als armutsgefährdet. Ein Grund dafür: Während die Einkommen der Reichsten steigen, sinken die der Ärmsten. Auch der Mindestlohn reicht kaum zum Leben und führt zu Altersarmut.

„In weniger als 10 Jahren werden die ersten Babyboomer in Rente gehen. Wenn wir bis dahin das System nicht grundlegend verändern, wird die Altersarmut verheerende Ausmaße annehmen“, so mein Fazit. Der Politik der schwarzen Null erteilte ich eine klare Absage.

Referentinnen berichten aus der Praxis

Dass es immer mehr Bedürftige gibt und dass Hartz IV oder Niedriglöhne nicht zum Leben reichen, bestätigt auch die tägliche Erfahrung der Menschen vor Ort. Die Zusammenarbeit in Dortmund funktioniert gut, da sind sich alle Helfenden einig. Doch auch ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Tafel bestätigt: Der Druck steigt!

250 bis 300 Essen pro Tag werden jeweils von den Ehrenamtlichen im Gast-Haus statt Bank und in der KANA Suppenküche ausgegeben. Allein im letzten Jahr gab es einen 10%igen Anstieg im Vergleich zu 2016. Katrin Lauterborn betonte auch, dass die Armut differenzierter wird: „Es gibt inzwischen viele Jugendliche, die zu uns kommen. Außerdem viele alte Menschen, die plötzlich wohnungslos werden.“ Auch in der KANA Suppenküche verändern sich die Gäste. „Inzwischen kommen oft Familien mit vielen Kindern zu uns und eben auch Menschen, die sich von Hartz IV alleine nicht versorgen können“, so Ursula Wierling.

Thema Armut löst intensive Diskussion aus

Angestoßen durch die Beiträge der Referentinnen entwickelte sich auch unter den ca. 70 Gästen eine breite Diskussion. Weitere Ehrenamtliche kamen zu Wort und bestätigten die Praxiserfahrungen von Katrin Lauterborn und Ursula Wierling.

Das Thema Armut gehört ganz oben auf die Agenda – im Bundestag, in den Talkshows und in der Presse, da sind sich die Anwesenden einig. Für mich ist außerdem klar: „Wir brauchen endlich konkrete Ziele mit konkreten Zahlen! Das Herumdoktern an einzelnen Symptomen bringt langfristig gar nichts.“

 

Seit 1,5 Jahren besuche ich im Rahmen meiner „Sozialtour“ verschiedene soziale Einrichtungen und Initiativen in Dortmund, um durch die Berichte von Betroffenen und Personen, die in diesem Bereich tätig sind, einen Einblick in bestehende soziale Probleme zu bekommen. Außerdem habe ich ein umfassendes Dossier zum Thema „Wachsende Ungleichheit“ erarbeitet. Es enthält Fakten und Analysen sowie konkrete Forderungen, mit denen ich politische Entscheidungsträger*innen regelmäßig konfrontiere. Gemeinsam mit Expert*innen und Politiker*innen habe ich das Forderungspapier „Sozialwende jetzt!“ erstellt, welches einen speziellen Blick auf das Ruhrgebiet wirft.