Besuch im ALZ Dortmund

Am Mittwoch habe ich im Rahmen meiner Sozialtour das Arbeitslosenzentrum (ALZ) in Dortmund besucht. Ich wurde dort von engagierten Mitarbeiter*innen begrüßt, denen ich sofort angemerkt habe, dass ihnen das, was sie im ALZ tun, wichtig ist. Sie setzen sich für Menschen ein, die durchs Raster fallen. Menschen, die keine Lobby haben.

Team ALZ Dortmund

Seit über 35 Jahren ist das ALZ Anlaufstelle für erwerbslose Menschen in Dortmund und wichtiger Bestandteil im Hilfesystem der Stadt. Es bietet unbürokratische und unabhängige Unterstützung und steht bedingungslos allen Menschen offen. Mehr als 2.200 Menschen kommen jährlich zum persönlichen Gespräch vorbei.

Die Mitarbeiter*innen leisten Hilfe in allen Fragen der Erwerbslosigkeit und unterstützen bei der Bewerbung und Stellensuche. Außerdem gewährleistet das ALZ Zugang zu Bildung und bietet Begegnungsmöglichkeiten. Es gibt regelmäßige Bewerbercafés und einen Computerraum zur eigenständigen Bearbeitung von Bewerbungen und Anträgen.

Die Notsituationen der Menschen werden dramatischer

Die Mehrheit der Besucher und Besucherinnen sind erwerbslose Menschen im Leistungsbezug des SGB II. Sie sind langzeitarbeitslos, oft wechseln sich befristete Beschäftigung und Erwerbslosigkeit ab. Mehr als 60% der Ratsuchenden sind Migrantinnen und Migranten“, erklärt Gisela Tripp, die Leiterin des ALZ.

Außerdem beobachten die Mitarbeiter*innen eine Zunahme von ALG-I-Empfänger*innen und Beschäftigten mit Aufstockung durch das Amt.

Dies ist Ausdruck eines prekären Arbeitsmarktes. Sie kommen, weil das verwaltete Leben in Erwerbslosigkeit schwer zu überschauen ist, das Sozialrecht sehr kompliziert und komplex ist und häufigen Änderungen unterliegt“, erklärt Gisela Tripp.

Die größte Sorge der Menschen, die das ALZ aufsuchen, ist, wie sie ihren Lebensunterhalt sicherstellen können. Besonders bei Menschen im Hartz-IV-Bezug kann jede Rechnung oder ein defekter Kühlschrank zu einer extremen Notsituation führen. Hinzu kommen fehlende Wohnungen und fehlerhaftes Handeln des Jobcenters, etwa die unrechtmäßige Versagung von Leistungen.

Insgesamt steigt der Druck: Trotz sinkender Arbeitslosenzahlen kommen immer mehr Menschen in solchen extrem prekären Situationen ins ALZ. Betroffen sind oftmals sogar die, die Arbeit haben.

Sorge um Finanzierung des ALZ

Insgesamt gibt es über 72 Beratungsstellen und über 70 Arbeitslosenzentren in NRW. Alle müssen sich um die Finanzierung sorgen. Bis 2020 wird das ALZ in Dortmund finanziell vom Land NRW gefördert – ob und wie es danach weiter geht, ist ungewiss.

Für erwerbslose Menschen, diejenigen, die keine starke Lobby hinter sich haben, ist eine niedrigschwellige Anlaufstelle wie das ALZ unverzichtbar. Um das sicherzustellen, braucht es eine Regelförderung und nicht die ständige Ungewissheit durch zwei- oder dreijährige Projektförderungen!

Seit 2015 hat die AWO Unterbezirk Dortmund die Erwerbslosenberatungsstelle übernommen. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, die soziale Situation und die Rechtsstellung der Erwerbslosen zu stärken.

Seit 2 Jahren besuche ich im Rahmen meiner „Sozialtour“ verschiedene soziale Einrichtungen und Initiativen in Dortmund, um durch die Berichte von Betroffenen und Personen, die in diesem Bereich tätig sind, einen Einblick in bestehende soziale Probleme zu bekommen. Außerdem habe ich ein umfassendes Dossier zum Thema „Wachsende Ungleichheit“ erarbeitet. Es enthält Fakten und Analysen sowie konkrete Forderungen, mit denen ich politische Entscheidungsträger*innen regelmäßig konfrontiere. Gemeinsam mit Expert*innen und Politiker*innen habe ich das Forderungspapier „Sozialwende jetzt!“ erstellt, welches einen speziellen Blick auf das Ruhrgebiet wirft.