Der Trost der SPD?

Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Untergangs
der Sozialdemokratie. Dabei würde sie jetzt gebraucht – wäre
sie denn eine Gerechtigkeitspartei, welche selbstbewusst gegen
Ungleichheit, Bankendiktat, Nationalismus zu Felde zieht.

Stattdessen – vom Neoliberalismus infiziert – ist sie in der breiigen
Mitte untergetaucht und hat ihren Markenkern abgestoßen. Anfangs
war das Projekt New Labour scheinbar attraktiv, dann hat es aber
Profil und Glaubwürdigkeit zerstört.

Der Niedergang ist verheerend, doch es wird Kurs gehalten oder rumlaviert.
Der Gipfel ist erreicht, wenn die SPD darauf verweist, dass es anderen
sozialdemokratischen Parteien in Europa noch schlechter ergeht. Das ist
kein Trost, sondern pure Hilflosigkeit.

Wo bleibt ein glaubhafter Neustart mit modernen Strukturen, Besinnung
auf die Wurzeln? Wer nutzt die Chance, die Sozialdemokratie
und Europa zu retten?

5 Kommentare
  1. Udo Fröhlich
    Udo Fröhlich sagte:

    Tja, das sind mehr Fragen als Lösungsangebote. Wo sind die Kritiker? Gibt es sie? Wo sitzen Sie? Bei der DL21? Bei den Jusos? Bei der Parlamentarischen Linken? Beim Institut Solidarische Moderne? Und was machen sie? Brüten sie über wichtigen Konzepten? Reden sie miteinander? Und vor allem, wo setzen Sie sichtbare Zeichen? Wo widersprechen Sie, hörbar für Mitgliedschaft und Öffentlichkeit? Damit auch ich als einfaches Mitglied vernehmen kann: da ist ja noch demokratisches Leben drin. Wenn die mit Funktionen, Mandaten und Ämtern nicht den demokratischen Disput über den verhängnisvollen Kurs vernehmbar eröffnen, dann wird das Warten auf einfache Mitglieder den Kurswechsel nicht bringen. Es braucht einige Verstärker (wie Marco Bülow) und es braucht einen, für die Medien als Vermittler, richtigen Konflikt um die Regierungspolitik. Welches Thema? Dem Grunde nach ist jedes Politikfeld ein Steinbruch für die Revolte. Aber, wie sagte schon Kurt Tucholsky, „Nichts erfordert mehr Charakter, als im Widerspruch zum Geist der Zeit zu sagen: NEIN.“ Ich bin nach 45 Jahren Mitgliedschaft dabei und lasse mir das Widersprechen nicht verbieten. „Mut zum Kurswechsel!“

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  2. Udo Fröhlich
    Udo Fröhlich sagte:

    Machtrag: Trudeau, Sanders, Corbyn. Weshalb eigentlich haben wir nicht den Mut? „Alles Politische beginnt damit zu sagen was ist.“ (Ferdinand Lasalle)

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  3. Jörn
    Jörn sagte:

    Vor der Chance steht die Entschuldigung. Bevor sich die „Sozialdemokraten“ nicht für das von ihnen und den Grünen angerichtete Hartz4-Leid entschuldigen (und alle entsprechenden Gesetze zurücknehmen), werde ich diese Partei nie wieder wählen. Versprochen. Momentan empfinde ich für die „Nur-wer-arbeitet-soll-auch-essen-SPD“ nur Abscheu.

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  4. Magnus Rembold
    Magnus Rembold sagte:

    Hallo Herr Bülow,

    danke für den Text. Mein Fazit daraus:
    Stehen Sie auf, geben Sie eine Pressekonferenz und treten Sie als Kanzlerkandidat der SPD an: „Marco Bülow stellt sich als Kanzlerkandidat für die SPD“. Ich wäre dafür und ich kann mir vorstellen, dass sie ganz ordentliche Resultate bei einer Mitgliederbefragung bekommen würden, denn die Alternativen stellen keinen Neuanfang in der SPD glaubwürdig dar.

    Entweder entfachen Sie damit die dringend nötige Debatte oder sie können nach dieser Wahlperiode wieder guten Gewissens in Ihrem bisherigen Beruf arbeiten, weil sie nicht wieder aufgestellt werden.

    Im zweiten Fall freuen wir uns über Ihre Bewerbung als Direktkandidat bei unserer Initiative „Frischer Wind in den Bundestag“ von Marianne Grimmenstein und mir: http://direktkandidaten.info

    Ich würde mich freuen, wenn wir uns über Ihre Ideen austauschen können, denn ich schätze Sie als eine der wenigen (öffentlich sichtbaren) kritischen Abgeordneten, die die demokratieschädliche Praxis der reinen Parteisoldaten mit Karrierefixierung nicht mehr mitmachen wollen.

    Viel Erfolg und
    Herzliche Grüsse…

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