Drastischer Anstieg von Wohnungslosigkeit

Die Verknappung von Wohnraum ist schon länger zu beobachten. Laut Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe ist die Zahl der Wohnungslosen 2016 gegenüber 2014 um 150 Prozent auf 860.000 Menschen gestiegen, 52.000 davon leben auf der Straße. In Dortmund sind fast 700 Menschen dauerhaft obdachlos. Hierzu erklärt der Dortmunder Bundestagsabgeordnete Marco Bülow:

Viel zu lange hat die Politik die Themen Armutsbekämpfung und bezahlbares Wohnen vernachlässigt. Die Folgen sind mittlerweile deutlich spürbar. Allein in Dortmund hat die Zahl der Obdachlosen in einem Jahr um ca. 50 Prozent zugenommen. Eine so wohlhabende Gesellschaft darf nicht zulassen, dass demnächst über eine Million Menschen in Deutschland keine Wohnung haben. Deswegen muss es jetzt einen radikalen Wandel geben. Die Ärmsten müssen mehr in den Mittelpunkt der Politik rücken und Wohnungspolitik muss zur Chefsache gemacht werden. Ich erwarte von der neuen Regierung in den nächsten Monaten einen Plan mit konkreten Sofortmaßnahmen.

Wir haben in der letzten Legislaturperiode etliche Vorschläge hierzu gemacht. Die CDU/CSU hat vieles davon jedoch blockiert. Wir benötigen u.a. bundesweit und vor allem auch in Dortmund mehr sozialen Wohnungsbau, eine funktionierende Mietpreisbremse, eine gemäßigtere Modernisierungsumlage, Neuregelungen beim Eigenbedarf und bei der Härtefallklausel.

Jetzt ist es vor allem wichtig, besonders den Obdachlosen akut zu helfen, da der Winter vor der Tür steht. Der Bund muss hier den Kommunen helfen, damit diese Sofortmaßnahmen ergreifen können.

Damit lobbylose Menschen endlich sichtbarer werden, müssen sich auch unsere Bewertungsmaßstäbe ändern. Wenn wir über Wohlstand in Deutschland sprechen, sollten Zahlen über Wohnungslosigkeit bei der Bewertung viel stärkere Berücksichtigung finden. Angaben über Durchschnittseinkommen und –vermögen können täuschen, da die auch dann steigen, wenn einige wenige extrem viel mehr bekommen als der Rest der Bevölkerung.