Gleichstellung? Viele Ministerien versagen!

Zum Thema Gleichstellung in Führungspositionen in Bundesministerien und -kanzleramt hat der Bundestagsabgeordnete Marco Bülow schriftliche Fragen an die Bundesregierung gestellt. Zu den Ergebnissen erklärt er:

Meine Anfrage hat deutlich gezeigt, dass viele Ministerien bei der Gleichstellung ein schlechtes Bild abgeben und als Vorbild versagen. Am schlimmsten sieht es im Verteidigungsministerium aus. Dort gibt es die niedrigsten Werten: nur 10% der Abteilungsleiter*innen und 15% der Referatsleiter*innen sind weiblich.

Ich fordere die Bundesregierung auf, die Aufgabe der Gleichstellung auch in den eigenen vier Wänden ernst zu nehmen und sich für eine fortschrittliche Gleichstellungpolitik in den Bundesministerien einzusetzen, um für die gesamte Republik als Vorbild zu dienen.

Es geht eben nicht nur darum Frauen einzustellen und familienfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Es geht darum, dass Frauen ebenso wie Männer in Führungspositionen gelangen können. Wer die gleichen Qualifikationen mitbringt, darf nicht aufgrund seines oder ihres Geschlechts einen Job bekommen oder nicht. Deshalb habe ich spezifisch den Frauenanteil nach Position erfragt.

2015 wurde eine 30-Prozent-Quote für Aufsichtsräte von DAX-Unternehmen eingeführt. Wie soll diese Quote ernst genommen werden, wenn der Bund nicht mit gutem Beispiel voran geht?

Die Zahlen zeigen, dass es besonders in den von der Union geführten Ministerien schlecht um eine Annäherung an eine echte Gleichstellung aussieht. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, das Verteidigungsministerium und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft stehen mit einem Anteil von weiblichen Abteilungsleiterinnen von unter 15% mit Abstand am schlechtesten da. Auch die Referate werden einzig im Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Hälfte von Frauen geleitet.

Doch auch in SPD-geführten Ministerien sieht es nicht durchweg gut aus. Während das Justizministerium, das Arbeitsministerium, wie auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend teilweise weit über 50% Abteilungsleiterinnen beschäftigt, fallen insbesondere das Auswärtige Amt und das Finanzministerium mit weniger als 30% Abteilungs- und Referatsleiterinnen auf.

Damit werden klassische Stereotype von Männer- und Frauendomänen befeuert. Gerade in Bereichen wie Verkehr, Verteidigung oder Finanzen braucht es führende Frauen, die verkrustete Strukturen aufbrechen und Mädchen und jungen Frauen zeigen, dass man es ungeachtet des Geschlechts weit bringen kann.