Internationale Klimapolitik kläglich gescheitert. Was muss nun passieren?

Wir organisieren Weltklimagipfel nach Weltklimagipfel. Doch jedes Jahr enden die Klimakonferenzen ohne wirkliche Ergebnisse, während der Klimawandel beschleunigt voranschreitet. Auch Doha (Katar) war wieder eine Enttäuschung, obwohl mittlerweile nicht mal mehr die Optimisten noch große Erwartungen gehabt hatten. Allein, dass in Doha rumgetrickst werden musste, um überhaupt ein Ergebnis vorweisen zu können, zeigt doch, dass die Weltklimagipfel in ihrer bisherigen Form keine Zukunft mehr haben. Es kann doch nicht sein, dass man mittlerweile einem Verhandlungsführer dafür dankbar sein muss, dass er einfach sein lächerliches Ergebnispaket verliest, dieses damit als entschieden verkündet und die Einwände anderer – in diesem Falle Russlands – einfach ignoriert. Ohne dieses autoritäre Verhalten von  Abdullah bin Hamad al-Attiyah wäre der Klimagipfel komplett gescheitert. Vielleicht wäre ein solches Scheitern sogar mal nötig, damit wir doch noch aufwachen.

Leider hat Franz Alt recht: „Je mehr internationale Konferenzen stattfinden, um das Klima zu schützen, desto schlechter geht es ihm.“ Möglicherweise brauchen wir die UN-Konferenzen auch weiterhin, weil man die Hoffnung nicht aufgeben darf oder – so sarkastisch es sich auch anhört – weil wir so zumindest einmal im Jahr unser Scheitern vor Augen geführt bekommen.

Doch wer sich allein an einen einzigen brüchigen Strohhalm klammert, der wird untergehen. Wenn wir weiterhin auf den letzten Bremser warten, dann werden wir zwangsläufig so lange warten bis die Erwärmung nicht mehr zu stoppen ist. Schon jetzt sprechen immer mehr Experten davon, dass wir uns mehr auf Maßnahmen konzentrieren sollten, mit denen wir uns dem Klimawandel anpassen anstatt Klimaschutz zu praktizieren. Doch das wäre fatal. Wenn wir nichts tun, könnten aus zwei auch schnell drei oder vier Grad Erwärmung werden. Dann wird nämlich nach Aussagen von Wissenschaftlern aus einer starken Erwärmung mit schlimmen Folgen eine Klimakatastrophe, die uns absolut überrollen könnte. Der direkte Klimaschutz bleibt also unser höchstes Gebot. Er sollte lediglich durch Anpassungsmaßnahmen ergänzt werden.

Was wir brauchen sind Vorreiter, Staaten, die gemeinsam vorangehen, die zeigen, dass Klimaschutz funktioniert und mittelfristig sogar ökonomische und soziale Vorteile bringt. Wir brauchen eine Koalition der Willigen, die sich zusammen tun, sich Regeln geben und damit auch die anderen Länder unter Druck setzen. Deutschland hat diese Vorreiterrolle längst eingebüßt. Großspurigen Worten sind halbherzige oder sogar kontraproduktive Taten gefolgt. Insgesamt ist die Diskussion auch in Deutschland ins Hintertreffen geraten, obwohl die Situation immer brenzliger wird. Wenn Deutschland wieder vorangeht und die EU klare Signale setzt, dann machen auch internationale Klimaverhandlungen Sinn, denn dann entsteht dort Druck und dann kann über gute Vorschläge diskutiert werden.

Klimawandel schreitet schneller voran als Pessimisten prophezeit haben

Wer vor Jahren deutlich auf die Probleme des Klimawandels hingewiesen hat, wurde des „Alarmismus“ bezichtigt. Klimaskeptiker haben an Gewicht gewonnen, obwohl die Entwicklungen der letzten Jahren dramatischer ausfallen, als selbst Pessimisten dies vorausgesagt haben.

Die neuesten Erkenntnisse der Klimaforscher können alarmierender nicht sein. Schätzungen gehen davon aus, dass der CO2-Ausstoß 2011 wieder um drei Prozent angestiegen ist. Die letzten zehn Jahre gehören zu den zwölf wärmsten Jahren seit Aufzeichnung durch die US-Wetterbehörde. Im letzten Jahr schmolz das Meereis am Nordpol so stark wie noch nie, und zwar um eine Fläche der Größe Deutschlands und Frankreichs zusammen. Dementsprechend steigt auch der Meeresspiegel schneller als prognostiziert. Forscher des Potsdam-Instituts für Klimaforschung erwarten mittlerweile einen Anstieg um 1,2 Metern bis zum Ende des Jahrhunderts. Ein solcher Anstieg wäre für viele Inseln und flache Küstenländer katastrophal. Allein in Bangladesch leben derzeit mit ca. 160 Millionen Einwohnern doppelt so viele Menschen wie in Deutschland.

Strikter Klimaschutz ist also dringlicher als je zuvor, wird aber mit jedem Jahr immer unwahrscheinlicher. Wer also jetzt immer noch meint, die Lösung des Treibhausgasproblems aufschieben zu wollen, soll erklären, wie er das zukünftigen Generationen gegenüber verantworten will.

Info: Die wichtigsten Ergebnisse von Doha im Einzelnen:

  • Das Kyoto-Protokoll wird bis 2020 verlängert. Das bedeutet u. a.: die EU und zehn weitere Staaten verpflichten sich, weiterhin ihre CO2-Emissionen zu vermindern. Die EU will bis 2020 ihren Kohlendioxidausstoß um 20 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Dies stellt keinerlei Fortschritt dar. Länder wie Deutschland haben ihre Reduktionsziele bereits erfüllt und könnten sich jetzt zurücklehnen anstatt ambitioniert weiter etwas für den Klimaschutz zu tun. 2014 soll es allerdings eine Überprüfung der zugesagten Ziele für die Minderung des CO2-Ausstoßes geben mit der Möglichkeit einer Korrektur nach oben.
  • An der zweiten Verpflichtungsperiode bis 2020 werden Australien, die 27 EU-Länder sowie weitere europäische Staaten teilnehmen, die für rund 15 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. Russland, Kanada, Japan und Neuseeland sind mittlerweile ausgetreten.
  • Die meisten Kyoto-Staaten haben erklärt bis 2020 keine Emissionsgutschriften osteuropäischer Staaten (so genannte „Heiße Luft“) zu kaufen. Diese kann ein Land auf seine eigenen Reduktionsziele anrechnen lassen und muss somit selber weniger Klimaschutzmaßnahmen ergreifen.
  • Bis 2015 soll ein neues weltweites Abkommen ausgehandelt werden und erst 2020 in Kraft treten. Dabei müssen endlich die beiden größten Emittenten China und USA eingebunden werden.
  • Im nächsten Jahr sollen erstmals Instrumente geschaffen werden, mit denen man einen Ausgleich schafft für durch Klimawandel entstandene Schäden, z.B. für Ernteausfälle in Entwicklungsländern.
  • Es gab keine Entscheidung darüber, wie Entwicklungsländer beim Klimaschutz finanziell unterstützt werden. Beim Klimagipfel in Kopenhagen 2009 wurden 100 Milliarden Dollar jährlich zugesagt. Jetzt soll eine Arbeitsgruppe klären, woher das Geld kommen soll. Einige europäische Staaten wollen für die nächsten zwei Jahre sieben Milliarden Euro bereitstellen.
1 Antwort
  1. Stefan Sander
    Stefan Sander sagte:

    Klimaschutz ist Sozialpolitik, denn die ärmsten haben am stärksten unter den Klimaauswirkungen zu leiden. Leider werden trotz Fleischatlas, die negativen Folgen des Tierkonsums noch immer nicht einmal erwähnt. Mutige Politik sieht anders aus.

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