Keine Augenwischerei bei UN-Waldbericht!

Zur Weltwalderhebung 2015 der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO erklärt der Dortmunder Bundestagsabgeordnete und zuständige Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion Marco Bülow: Wenn wir Erkenntnisse über den Zustand der weltweiten Wälder gewinnen wollen, dann müssen die regelmäßigen Waldberichte so ehrlich und kritisch wie möglich erstellt werden. Es ist Augenwischerei, wenn die immer größer werdende Fläche an Plantagenwald unter dem Ausdruck „gepflanzter Wald“ mit anderen Wiederaufforstungsprojekten in einen Topf geworfen und die Statistik damit geschönt wird. Der CO2-Speicherungseffekt ist nicht vergleichbar, allein schon weil dieser Wald in 20 Jahren wieder abgeholzt wird. Auch als Lebensraum spielt Plantagenwald eine geringe Rolle.

Eine Organisation wie die FAO darf sich nicht von der Holzindustrie oder Ländern, in denen diese stark ist, beeinflussen lassen. Es ist auch zweifelhaft, dass sich der Bericht der FAO vor allem auf Angaben aus den einzelnen Ländern stützt, obwohl klar ist, dass es unter ihnen einige Staaten gibt, die ein Interesse daran haben, die Daten zu beschönigen, weil ansonsten der Druck steigen würde, die örtliche Holzwirtschaft einzuschränken und mehr ursprünglichen Wald unter Schutz zu stellen.

Es ist auch offensichtlich, dass es noch zu wenige Detailkenntnisse darüber gibt, wo sich der Wald wie entwickelt. Erst wenn wir einen genauen, ehrlichen Überblick haben, können wir Schlüsse ziehen, wo die Entwicklung wirklich positiv oder negativ ist. Es nutzt wenig, einem Land zu attestieren, dass die Waldfläche wächst, wenn in Wirklichkeit Primärwälder abgeholzt werden und nur die Fläche an Holzplantagen steigt.

Eines stellt der Bericht aber klar: weltweit geht die Waldfläche weiterhin zurück, nur langsamer und nicht mehr so katastrophal schnell wie in den 90er Jahren. Daher gibt es noch keinen Grund aufzuatmen.

Grundsätzlich kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass Wald nicht gleich Wald ist. Ganz oben steht Primärwald, der am meisten CO2 speichert, die höchste Artenvielfalt aufweist und zum Teil Lebensraum für bedrohte indigene Völker ist. Am ganz unteren Ende dagegen steht gleichförmiger Plantagenwald, der alleine der Holznutzung dient. Wer diesen für die Statistik aufwertet, hat nicht verstanden, dass er dem Waldschutz damit einen Bärendienst erweist.

Infos:

Laut FAO-Bericht hat sich die weltweite Waldfläche seit 2010 um netto 0,08 Prozent jährlich reduziert. In den 90er Jahren lag die Zahl noch bei 0,18 Prozent im Jahr. In den letzten 5 Jahren wurden 7,6 Mio. ha Wald jährlich gerodet und 4,3 Mio. ha wieder angepflanzt. Die größte Waldfläche ging in den Tropen insbesondere in Südamerika und Afrika verloren. Aber auch einzelne asiatische Länder wie Kambodscha verzeichnen seit der Jahrtausendwende eine hohe Waldverlustsrate.