Klimawandel uninteressant

„Das erste Halbjahr sei das drittwärmste überhaupt gewesen, stellte die amerikanische Regierung fest. (…) Die Temperatur steigt seit Jahren in kleinen, aber steten Schritten. Eis schmilzt in großen Mengen und an Stellen, wo es jahrzehntelang gefroren war. Starkregen und Stürme kommen mit nicht gekannter Häufigkeit übers Land und verheeren ganze Landstriche. Versicherungskonzerne listen größer werdende Schäden auf. Und? Der Mensch nimmt es zur Kenntnis wie einen lästigen Furunkel, an den man sich durchs jahrelange In-den-Spiegel-Gucken gewöhnt hat: hässlich, aber nicht akut bedrohlich. (…)

Doch ergibt sich aus der Summe der Schlüsse ein Befund, der sich nicht schönreden lässt: Es gibt einen gefährlichen Temperaturanstieg. Weil der menschengemacht ist, muss er auch vom Menschen eingedämmt werden. Doch selbst wenn die Ursache eine andere wäre, müsste das geschehen. (…)

Das Phänomen ist aus der internationalen Klimapolitik bekannt. Absichtserklärungen für den Klimaschutz gibt es viele, doch die markantesten Entscheidungen stehen für das Gegenteil: Während die Menge der in die Luft gepusteten Klimagase Jahr für Jahr steigt, nimmt die Zahl der Industriestaaten ab, die sich vertraglich zur Reduzierung von klimaschädlichen Gasen gebunden haben. Japan und Kanada haben sich aus dem Kyoto-Protokoll verabschiedet, seine Vorgaben für Einsparungen verworfen.

Ein besonders schlechtes Vorbild gab unlängst Australien ab: Die Regierung stampfte die Steuer auf Kohlendioxid-emissionen ein, kaum dass sie eingeführt war. Dabei sollte diese Steuer ein anderes marktwirtschaftliches Vermeidungssystem, den Emissionshandel, ablösen. Nun hat das Land mit der höchsten Pro-Kopf-Emission gar kein Regulativ mehr.

Damit kommt den – untereinander zerstrittenen – Europäern wieder ein potentieller Partner in der Klimaschutz-politik abhanden. Andere sind schwer zu finden: China, der nach Tonnen größte Emittent der Welt, ist und bleibt nur ein Hoffnungswert, Amerika ein unsicherer Kantonist. Denn der Kongress wird auch künftig kein bindendes internationales Klimaabkommen ratifizieren.“

(Quelle: FAZ 29.07.2014: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/trotz-klima-alarms-kein-partner-fuer-den-klimaschutz-13069184.html)

In diesem Artikel wird (im ersten, hier zitierten) Teil die aktuelle Problematik des Klimawandels kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Selbst wir Mitteleuropäer, für die der Klimawandel bisher kaum so existenzbedrohend ist wie für andere Menschen dieser Welt, registrieren ihn immer häufiger. Es gibt mehr Wind, mehr Starkregen, etc. Trotzdem ist es so wie bei allen langfristigen Problemen: man gewöhnt sich daran, die mediale Berichterstattung nimmt ab, die Politik fühlt sich nicht mehr so unter Druck gesetzt, keiner will mehr voran gehen und kosten darf Klimaschutz sowieso am besten nichts. Wann werden wir Menschen endlich mal dazu lernen und anders, nämlich langfristig und proaktiv handeln?

1 Antwort
  1. Thorsten Kleinsorge
    Thorsten Kleinsorge sagte:

    Hallo Marco!

    Da Klimaschutz für viele Konzerne zusätzliche Kosten bedeutet, sind diese natürlich nicht an sowas interessiert und folglich sind deren Lobbyisten gegen bindende Klimaschutzvereinbarungen!
    Ich denke, dass dies wirklich global angegangen werden muss, um in allen Staaten und somit für alle Konzerne die gleichen Bedingungen zu schaffen, denn solange der Aspekt „Wettbewerbsnachteil“ von den Lobbyisten bei Gesprächen mit den Politikern ins Feld geführt werden kann, knicken diese bei lokalen Klimaschutzaktivitäten wohl auch in Zukunft ein…
    Nun, und da man ja weiß, wie schwer (bzw. wie unmöglich) es ist, das global auf den Weg zu bringen, wird es vermutlich leider erst dann dazu kommen, wenn uns die Natur dazu ZWINGEN wird!
    Ich will nicht schwarzmalen, aber dann wird es vermutlich zu spät sein…

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