Reaktionen zur Fukushima-Katastrophe reißen nicht ab

Knapp ein Jahr nach der Reaktor-Katastrophe im japanischen Fukushima weiß man immer noch nicht was für genaue Auswirkungen sie hat. Klar ist aber heute schon, dass ein riesiges Gebiet atomar verseucht wurde, dass unzählige Menschen gezwungen sind sich woanders eine neue Existenz aufzubauen und auch die Wirtschaf leidet. In Deutschland reißt die Diskussion um die Ausgestaltung der Energiewende trotz Atomausstieg nicht ab. In Europa wird sogar über den Neubau von Atomkraftwerken nachgedacht und werden weiterhin Unsummen an Geld an die Erforschung der Atomtechnologie gesteckt.

Bis heute erreichen mich Briefe und Mails von Bürger/innen zur Katastrophe in Fukushima. Die meisten von ihnen sind und waren bestürzt, sprechen den Opfern ihre Anteilnahme aus und machen sich Sorgen über die Nutzung der Atomenergie auch in Deutschland. Leider gibt es auch immer einige wenige, die selbst im Angesicht eines solch schrecklichen Ereignisses nicht davon ablassen können durch Tatsachenverdrehung und Verharmlosung ihre eigene tendenziöse Meinung zu verbreiten. Um darzulegen, mit welchen Ansichten man es teilweise zu tun hat und wie ich darauf reagiere, möchte ich nachfolgend einige Auszüge aus einer Mail und meiner Antwort darauf zitieren:

Bürgermail vom 28. November 2011, Betreff: Das deutsche Fukushima-Desaster

Sehr geehrter Herr Bülow,

Vor einigen Monaten hat der Bundestag entschieden, die Kernenergie in Deutschland abzuschaffen, die Kraftwerke stillzulegen und deren Betreiber damit faktisch – unter Bruch des Art. 14 GG -entschädigungslos zu enteignen. Begründet wurde dies mit der Fukushima-Krise und den daraus angeblich gewonnenen neuen Sichtweisen. Aber legen die Ereignisse in Japan wirklich einen „Ausstieg“ nahe? Oder beweisen sie vielleicht das genaue Gegenteil, daß nämlich bei den bei uns benutzten Reaktortypen selbst ein „Multi-SuperGAU“ glimpflich verläuft? Und daß er bei Vorhandensein der in Deutschland oder der Schweiz üblichen Sicherheitsvorkehrungen in Japan gar nicht entstanden wäre? (…)

Mit freundlichen Grüßen

(…)

Meine Antwort vom 29. Januar 2012:

Sehr geehrter Herr (…),

(…)

Sie werden Verständnis haben, dass ich nicht im Einzelnen auf diesen tendenziösen Report eingehen werde. Ich bin immer bereit, mich mit Analysen und Studien zu befassen, deren Ergebnis nicht ins politische „Kalkül“ passt oder in denen es Erkenntnisse gibt, die meinen bisherigen Ansichten widersprechen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass den Verfassern an einer objektiven Betrachtung und Untersuchung gelegen war. Wenn das Ziel aber ist, vorgefertigte Meinungen zu bestätigen oder bestimmten Interessen zu dienen, dann kann ich solche Studien nicht Ernst nehmen.

Ein kurzer Blick auf Ihren Report reicht, um zu sehen, dass es nicht Ihre Intention war sich dem Thema auch nur ansatzweise objektiv zu nähern. Allein folgender Absatz aus Ihrem Report zeigt, dass Ihnen an Objektivität nicht gelegen war und ihr Ansatz klar nur bestimmten Interessen dient:

„Offenbar ist das politische Deutschland wild entschlossen, seine leistungsstärksten Kraftwerke zu opfern und auf deren sehr günstige Produktionskosten zu verzichten. Aber gibt es dafür – abgesehen vom Kalkül der Parteiführer und den Profitinteressen der Windmühlzunft – überhaupt einen zwingenden Grund? Oder beobachten wir gerade einen weiteren Akt des Dramas „Deutschland schafft sich ab“ (Fußnote: Thilo Sarrazins genialer Buchtitel ruft hier förmlich nach einer Erwähnung) – diesmal durch vom Staat mutwillig hochgetriebene Energiekosten?“

Sie können von mir demnach nicht ernsthaft eine Auseinandersetzung mit ihren „Ergebnissen“ erwarten.

Ganz unglaublich finde ich, wie Sie den Unfall in Fukushima herunterspielen. Diesen als glimpflich zu bezeichnen, ist beschämend. Tausende Menschen mussten evakuiert werden und können nie wieder in ihre Heimat zurückkehren. Die schlimmen Folgen des Tsunamis kann man mit viel Aufwand versuchen zu beseitigen, die Verstrahlung der Region bleibt. Die Betroffenen haben daher nicht nur Ihr Hab und Gut verloren, sondern sind gezwungen woanders ein neues Leben aufzubauen. Ihre Heimat ist für sie für immer verloren. Die Menschen haben damit ihre Wurzeln und viele Bindungen verloren. Zudem leben sie dauerhaft in der ständigen Angst, dass die erhöhte Strahlenbelastung gesundheitliche Folgen hat.

Ich habe mich mit Opfern aus Fukushima getroffen und kenne ihre Berichte. Dies waren sehr bewegende Momente. Vielleicht sollten Sie sich auch einmal mit Opfern treffen anstatt aus der Ferne deren Schicksal kühl und überheblich herunter zu spielen.

Mit freundlichen Grüßen

Marco Bülow

1 Antwort
  1. Klaus Ermecke
    Klaus Ermecke sagte:

    Sehr geehrter Herr Bülow,

    nachdem Sie unseren Schriftwechsel hier veröffentlichen, möchte ich Ihnen auch öffentlich antworten. Ihre Stellungnahme besteht im Wesentlichen darin, daß Sie sich empören und mir (und den mich beratenden Experten) Objektivität und Moral absprechen. Daraus folgern Sie, daß Sie sich mit dem Inhalt (44 Seiten in sehr kompakter Darstellung) nicht auseinandersetzen müssen. Das ist – verzeihen Sie – ziemlich schwach.

    Von einem gewählten Politiker erwarte ich, daß er sich um das Wohlergehen des Landes und seiner Menschen bemüht. Dazu ist der allererste Schritt das Bemühen um Objektivität. Es geht darum, die für eine Entscheidung relevanten FAKTEN festzustellen, die zwischen ihnen bestehenden Zusammenhänge zu erkennen und dann logisch korrekte Schlußfolgerungen zu ziehen. Auf keinen Fall dürfen Fakten verdrängt oder gar gefälscht werden, weil sie nicht ins vorgefaßte Bild passen. Genau das aber ist es, was ich vielen Politikern (aller Parteien!) vorwerfe: man präsentiert Gesinnung, aber die Fakten werden verdrängt, und nicht wenige der Politiker, die ich persönlich kenne, sind zum Studieren der Fakten schlicht zu faul.

    Was sind nun die relevanten Fakten hinsichtlich des Fukushima-Unfalls? Da ist zunächst einmal die Frage der Ursache. In Fukushima wurden in zwei Kraftwerken insgesamt 10 Reaktoren durch eine Naturkatastrophe ungeheuren Ausmaßes beschädigt. Dadurch havarierten drei dieser Reaktoren und es entstand das, was uns die Öko-Aktivisten zuvor als „SuperGAU“ an die Wand gemalt hatten: ein Unfall mit Freisetzung von Radioaktivität, und das gleich dreifach. Nach den Vorhersagen der grünen Szene und der von ihr bemühten „Experten“ hätte ein solcher „Multi-SuperGAU“ ein apokalyptisches Szenario sein müssen – mit Tausenden von Toten und dem Unbewohnbarwerden (in deutschen Größenordnungen) ganzer Bundesländer. Aus diesem Grunde bietet Fukushima – bei aller Tragik – wenigstens die Möglichkeit, diese Vorhersagen und die dahinterstehenden Hypothesen zu prüfen. Tatsache ist, daß in Fukushima an den nuklearen Folgen des Multi-SuperGAU kein einziger Mensch gestorben ist. Und kein einziger wurde ernsthaft verletzt, und das trotz tatsächlich katastrophaler Verhältnisse im Umland. Die Annahme, daß in Zukunft massenhaft Menschen an Krebs sterben würden, beruht auf zynischen Mutmaßungen, nichts davon ist bewiesen. Sie, lieber Herr Bülow, müssen zurück zu Ihren eigenen Grundparadigmen. Sind die richtig oder falsch? Tatsache ist, daß in Japan in den letzten Jahrzehnten trotz ständiger Erdbeben kein einziger Reaktor durch auch nur irgendeines der zahlreichen großen Erdbeben ernsthaft beschädigt wurde. Die Strahlungstodhypothese ist falsch, und die Erdbebenhypothese ist ebenfalls falsch. Das auf ein gemutmaßtes Erdbebenrisiko aufgebaute Stillegungsurteil des Bundesverwaltungsgerichts gegen das fertiggebaute Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich (aus 1998, Schaden 5 Mrd. Euro) zeigt sich so im Nachhinein als groteske Fehlentscheidung.

    Aber andere Anlagen sind durch starke Erdbeben sehr stark gefährdet. Staudämme zum Beispiel. In der Provinz Fukushima brach ein Staudamm, 18 Menschen ertranken, sie sind für immer tot. Warum befassen Sie, Herr Bülow, sich nicht mit der Gefahr von Staudämmern? Im Zweiten Weltkrieg starben in Deutschland Tausende von Menschen, als die Briten unsere Eder-, Sorpe- und Möhnetalsperre angriffen, und in China kamen 1975 geschätzt 175.000 Menschen ums Leben, als als Folge eines Taifuns der Banquio- und in der Folge 62 weitere Staudämme brachen. Wir wollen das einmal festhalten: Weil sie Angst vor Erdbeben, oder Angst vor Wählern, die Erdbeben fürchten, legen sie Industrieanlagen (KKWs) still, die nachgewiesenermaßen durch Erdbeben gar nicht gefährdet sind. Als Ersatz wollen sie alles mögliche bauen, darunter Pumpspeicher, die nichts anderes sind als kleine Stauseen. Das ist wirklich sehr schlau!

    Noch etwas: Bei der Chemiekatastrophe im indischen Bhopal 1984 starben Tausende von Menschen und wurden Hunderttausende medizinisch geschädigt. Und nun – zum Vergleich – noch einmal die Zahl der Nuklearopfer von Fukushima: NULL Tote, NULL ernsthaft Verletzte. Ein Gebiet von der Größe eines kleinen deutschen Landkreises mußte evakuiert werden. Die Behauptung, die Menschen könnten dorthin niemals zurück, ist schlicht falsch. Die Strahlung ist überall stark zurückgegangen, und der größere Teil der Zone könnte jetzt gefahrlos wiederbesiedelt werden.

    Räumen Sie in Ihrem Kopf auf, lieber Herr Bülow! Wenn Sie eine erkennbar vernünftige Politik machten, würden das Ihre Wähler sicher schätzen!

    Klaus Ermecke
    KE Research
    Oberhaching

    http://www.ke-research.de/downloads/FukushimaDesaster.pdf

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