Sozialwende! Besuch bei Sleep In – Übernachtungsstelle für Jugendliche

Durch alle sozialen Auffangbecken gefallen

Ein unscheinbares Haus am Körner Hellweg. Wir schauen uns um, sind wir hier richtig? Die Adresse stimmt. Wenn man es nicht weiß, dann läuft man an diesem Haus vorbei und geht davon aus, dass es ein ganz gewöhnliches Wohnhaus sei. Es gibt keine Schilder, keine Hinweise, die auf der Vorderseite des Hauses darauf hinweisen, dass hier obdachlose Jugendliche ein Bett und eine warme Mahlzeit erhalten können. So soll es auch sein.

Die Jugendlichen müssen das Haus morgens spätestens um 10 Uhr verlassen. Sie können aber abends wiederkommen. Es ist also leer, bis auf die Leiterin der Einrichtung und ein Mitarbeiter, die mir und meinem Team das Haus zeigen. Die Schlafräume sind neutral, aber sauber und mit den wichtigsten Gegenständen eingerichtet. Alle persönlichen Gegenstände sollen morgens von den Jugendlichen wieder mitgenommen werden, auch wenn sie wiederkommen wollen. Immer häufiger ist das Sleep In überfüllt und es wird versucht die Jugendlichen dann woanders unterzubringen. Wer hier herkommt, für den ist das Sleep In der letzte Notanker. Durch viele soziale Auffangbecken sind sie durchgefallen.

Wie ist das Sleep In organisiert?

Die Dipl. Pädagogin Katja Barthel berichtete, dass die Übernachtungsstelle Sleep In im Jahr 2000 entstand, als der Stadt Dortmund Ende der 90er Jahre am Dortmunder Hauptbahnhof zwei Jugendliche im Bereich der Prostitution aufgefallen waren. Nach dem Vorbild einer ähnlichen Einrichtung in Münster wurde der Verbund sozialtherapeuthischer Einrichtungen dann von der Stadt Dortmund mit der Einrichtung des Sleep Ins als Übernachtungsstelle für Jugendliche betraut. Die Einrichtung hat derzeit sechs Plätze für Jungen und vier Plätze für Mädchen. Es gibt getrennte Jungen- und Mädchenetagen. Die Altersgrenze liegt bei 20.

Als die Übernachtungsstelle für Jugendliche entstand, gab es zunächst eine große Nervosität in der Nachbarschaft, die sich mittlerweile aber gelegt hat. Seit Mai 2000 hielten sich insgesamt 3223 Jugendliche im Sleep In auf. Pro Jahr gibt es etwa 180-220 Neuaufnahmen und 50-60 Wiederkommer. Es gibt mehr Jungen als Mädchen und die Jungs sind im Schnitt etwas älter. Die Einrichtung wurde von den Jugendlichen sehr gut angenommen und ist mit weiteren sozialen Einrichtungen wie der Bahnhofsmission, Jugendwohngruppen und der Stadt Dortmund vernetzt.

Die Einrichtung wird bei den Jugendlichen vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda bekannt. Viele der Besucher haben schon viele unterschiedliche Einrichtungen und Jugendwohngruppen besucht. Katja Barthel äußerte: „Gefühlt nehmen die psychischen Fälle zu.“ Viele haben häusliche Gewalt erlebt oder kommen aus Stieffamilien. Im Sleep In arbeiten keine Ehrenamtlichen, sondern sechs Hauptamtliche und viele studentische Hilfskräfte, vor allem in der Nacht. Über Spenden würde sich das Sleep In sehr freuen.

Die konkreten Angebote des Sleep Ins:
  • Schlafmöglichkeit
  • Verpflegung
  • Hygiene- und Duschmöglichkeiten
  • Beratung
  • Moderation von Familiengesprächen
  • Parteiliche Durchsetzung von Rechtsansprüchen

Die Jugendlichen entscheiden frei, ob sie kommen und wie lange sie bleiben wollen.

Das Sleep In über sich selber:

„Das Sleep In ist eine Einrichtung für Selbstmelder. Die meisten von ihnen sind zwischen 14 und 18 Jahre alt. Viele haben ihre Familie oder eine Jugendhilfeeinrichtung dauerhaft verlassen. Sie haben die Konflikte an ihren bisherigen Lebensorten als so belastend empfunden, dass sie ihren Lebensmittelpunkt auf die Straße verlegt haben. Andere haben sich nur vorübergehend in einer akuten Krisensituation von Familie oder Einrichtung entfernt.

Hier finden sie einen Ort, an dem sie sich entspannen und ausruhen können. Hier können sie aber auch Beratung bekommen, wenn sie das wünschen. Und auch für ganz praktische Unterstützung fühlen sich die Mitarbeiter zuständig. Das reicht von der einfühlsamen Moderation von Familiengesprächen bis zur parteilichen Durchsetzung von Rechtsansprüchen. Immer sind es aber die Jugendlichen, die hier die Richtung vorgeben.“

Wünsche:

Das Sleep In wünscht sich eine Verstetigung der finanziellen Unterstützung. Spenden sind also jederzeit willkommen und auch nötig.

Kontakt:

http://www.vse-nrw.de/dortmund/dortmund/sleep-in-stellwerk.html

Körner Hellweg 19

44143 Dortmund

Tel.: 0231 – 42 41 82

E-Mail: stellwerkdo@vse-nrw.de