Sozialwende! Besuch bei Gasthaus statt Bank

Beeindruckende Hilfe, beklemmender Alltag

Ein großer Raum im Erdgeschoss, direkt gegenüber des U-Turms. Morgens kurz vor 10 Uhr. Es ist rappelvoll, jeder Sitzplatz ist besetzt und die meisten Gäste konzentrieren sich auf ihr Essen. Man sieht ihnen an, wie wichtig die Mahlzeit für sie ist. Ein Stimmengewirr umgibt uns und fleißige Helfer teilen Tablett um Tablett mit Frühstück aus. Hier wird ein Grundbedürfnis des Menschen befriedigt, für uns selbstverständlich, für viele Wohnungslose ein Rettungsanker.

Wir treffen uns mit den beiden Menschen, die Kopf und Seele des Gasthauses sind: Werner Lauterborn, der erste Vorsitzende des Vereins und seine Tochter Katrin Lauterborn, die jetzt alles als eine Art Geschäftsführerin organisiert. Beide sprühen vor Tatkraft und gleich fällt auf, wie wichtig ihnen ihr Anliegen ist.

Beeindruckend, wie viele Menschen ehrenamtlich helfen, um die Not zu lindern. Beklemmend, wie viele Menschen allein hier Unterstützung brauchen, auf sie angewiesen sind. Die Auswirkungen der steigenden Ungleichheit sind hier besonders spürbar, auch dadurch dass die Zahl der Gäste immer größer wird. Ein Skandal, dass wir das in einem solch reichen Land zulassen.

 

Wie ist das Gasthaus organisiert?

Seit 21 Jahren steht nun das Gasthaus-statt-Bank an der Rheinischen Straße. Es ist ein Angebot für Wohnungslose, aber auch für Menschen, die zwar ein Obdach haben, aber in Armut in Dortmund leben. Im Jahr 2015 gab es 100.000 Kontakte im Gasthaus, davon sind etwa 60% Menschen, die immer wieder das Gasthaus besuchen. 90% der Besucher sind Männer und zwischen 30 und 50 Jahre alt. Etwa 50% gelten als Obdachlos. Neben der Armut leidet die Mehrheit der Gäste unter psychischen Problemen.

Entstanden ist dieses Gasthaus aus der Aktivität von Gemeinden und der Eine-Welt-Arbeit, bzw. aus dem Bestreben heraus, auch für die Armen in Dortmund ein Angebot zu schaffen. Wertschätzende Kommunikation und Anerkennungskultur ist das Motto der dortigen Arbeit, die von rund 140 Ehrenamtlichen und einer hauptamtlichen Vereinsassistentin gestemmt wird. Zu den ehrenamtlichen HelferInnen gehören auch vermehrt Flüchtlinge, die der Gesellschaft, die sie aufgenommen hat, etwas zurückgeben möchten. Finanziert wird der Verein allein aus Spenden. 350.000 € müssen jedes Jahr reinkommen, um die Arbeit zu finanzieren. Das Angebot wurde um eine Arztpraxis mit acht Ärzten erweitert, hierzu gehören acht Allgemeinmediziner, ein Kardiologe, eine Psychiaterin, eine Gynäkologin und eine Augenärztin.

Die konkreten Angebote des Gasthauses:
  • Tagestreff, in denen Wohnungslose willkommen sind
  • An den Vormittagen wird ein Frühstück angeboten
  • Gäste haben die Gelegenheit sich zu waschen, zu duschen oder ihre Wäsche zu wechseln
  • Sie erhalten bei Bedarf Informationen über Hilfs- und Beratungsangebote
  • Gäste erhalten auf Wunsch seelsorgerische, psychologische und medizinische Betreuung
  • Gesprächskreise, Gottesdienste, interessante Kulturabende und besinnliche Abende in der vorweihnachtlichen Zeit gehören ebenfalls zum Angebot des Gast-Hauses
  • Alle zwei Jahre findet unter den Arkaden vor dem Gast-Raum ein Sommerfest statt
  • Ärzte und Rechtsanwälte
Wünsche:

Der Verein wünscht sich eine Verstetigung der finanziellen Unterstützung. Spenden sind also jederzeit willkommen und auch nötig. Wichtig wäre eine Unterstützung durch professionelle Sozialarbeiter, die stundenweise die Gäste beraten würden. Diesen Ansatz halte ich für sehr wichtig und möchte daher versuchen, die Realisierung mit zu unterstützen.

Kontakt:

www.gast-haus.org

Gasthaus statt Bank

Rheinische Str. 22

44137 Dortmund

Tel.: 0231-14 09 36

E-Mail: info@gast-haus.org

Spendenkonto:

Gast-Haus e. V.

IBAN: DE90440501990021029270

BIC: DORTDE33XXX