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Schwerkraft überwinden

Josef Joffe schrieb in der ZEIT (20. April 2011) den Artikel: „Platz an der Sonne“ – Ich habe dazu einen Widerspruch formuliert (Von Bülow zu Bülow)

Link ZEIT-Artikel: „Platz an der Sonne“

Josef Joffe glossiert einen angeblichen deutschen Sonderweg. Dazu zieht er feinersonnen den historischen Vergleich zu Reichskanzler von Bülows Abkehr (1897) von der Ausgleichspolitik Bismarcks. Gewagt, anregend und nach Widerspruch schreiend.

Wo bitte geht es um einen „Blitzartigem Atomausstieg“, wer erhebt die „Panik zum Prinzip“?.
Ist der Ausstiegsbeschluss von Rot-Grün 2001, der die Situation befriedete und der das Aus der deutschen AKW bis 2020 bedeutete, bereits vergessen?

Waren die ZEIT-Artikel haltlos, die uns die vielen Nachteile der Atomkraft vor Augen führten; die uns ohne GAU lang strahlenden radioaktiven Abfall bescheren; die auch in Deutschland viele ernste Störfälle hervorgerufen hat; die im Umkreis der Kraftwerke zur deutlichen Erhöhung von Leukämie geführt hat; die mit waffenfähigem Plutonium oder endlichem Uran angetrieben wird (der im Abbaugebiet meist Elend und Zerstörung hinterlässt)?
Ist noch immer unbekannt, dass die wirklichen Kosten der Atomkraft – dreistellige Milliardensubventionen, havarierende Endlager wie die Asse, unzureichende Versicherungssummen – nicht auf der Energierechnung auftauchen und dennoch vom Steuerzahler mitfinanziert werden?

Oder sollte man die Glosse mit Carolin Emcke beantworten, die im Leitartikel der gleichen ZEIT-Ausgabe bemerkt: „Das Undenkbare ist wieder denkbar geworden, die zynische Schwerkraft all derer in Politik und Medien, die Utopien nur nach ihrer Wahrscheinlichkeit beurteilen und verwerfen wollen, ist gebrochen“?

Die einstige Wunderenergie, welche ohne Risiko die ganze Welt komplett versorgen sollte, ist gescheitert und sie ist gefährlich, deshalb wächst seit Jahrzehnten der Widerstand. Nach Tschernobyl wurde durch Lobbyarbeit und Ausreden, der Ausstieg verhindert. Selbst heute werden die letzten schwachen Argumente herausgekramt, um die Abschaltung noch zu verzögern.

Der Weg zu einem Erneuerbaren Energiezeitalter ist unabwendbar und es ist nur die Frage, ob wir ihn schnell genug gehen, um den Klimawandel merklich abzubremsen und keine weiteren „Fukushimas“ zu provozieren. Er ist das Gegenteil des Kolonialismus des Reichskanzlers von Bülow, denn er wird auch den armen Ländern eine Chance auf eine Energieversorgung geben. Keinen Sonderweg (die meisten Länder der Welt haben keine Atomkraftwerke), sondern eine respektable Vorreiterrolle, wünscht sich deshalb der Bülow des Jahres 2011 – dem im übrigen völlig egal ist, was der Kanzler gleichen Namens heute dazu sagen würde.