Weihnachtsbotschaft: Ungleichheit in Deutschland so groß wie vor 100 Jahren!

Frohe Weihnachten! Trotz stabiler Wirtschaftsentwicklung gibt es aber nicht nur frohe Botschaften. Denn nur die oberen 30 Prozent können sich über ihren Anteil am Wohlstandswachstum freuen. Die Mittelschicht schrumpft kontinuierlich und die Armut wächst. Die am Markt erzielten Einkommen sind so ungleich verteilt wie vor 100 Jahren, hat eine Forschergruppe um Thomas Piketty nun ermittelt. Die Paradise Papers zeigen darüber hinaus, dass vor allem die Reichsten ihr Geld nicht im Land investieren, sondern vor allem in Steueroasen parken.

Laut Manager Magazin verdienten die DAX-Manager in 2016 gleich 50 Mal so viel wie ihre Mitarbeiter. Die relative Armutsquote steigt dagegen seit zehn Jahren, was bedeutet, dass die Gesellschaft immer weiter auseinanderdriftet. Bei der Vermögensverteilung ist Deutschland europaweit immer noch das ungleichste Land. Die Vermögendsten 10 Prozent besitzen über 60 Prozent des Vermögens, während die ärmere Hälfte der Deutschen sich gerade einmal 1-3 Prozent teilen muss.

Die Chancengleichheit sinkt zudem. Zahlreiche Berufe wie z.B. im Sozialbereich, in der Pflege, Kindererziehung oder im Dienstleistungsbereich werden trotz Mindestlohn nicht annähernd der Leistung entsprechend bezahlt. Nicht zu fassen in einem so reichem Land.

Diese Entwicklung ist nicht nur empörend, sondern auch eine massive Gefahr für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Dennoch ist dieses Thema zu wenig auf der Tageordnung – in der Politik, aber auch in der Öffentlichkeit. Vor allem in den Talkshows werden vor allem die Themen Terrorgefahr und Flüchtlinge rauf und runter diskutiert, als wenn wir keine anderen Probleme hätten. Doch das ist ein Trugschluss.

Wir brauchen eine radikale Sozialwende, wenn wir die Entwicklung stoppen wollen. Kleine Pflaster reichen nicht. In den letzten 20 Jahren wurde von unten nach oben umverteilt. Mittlerweile ist jedes fünfte Kind von Armut bedroht. Wenn wir unsere Zukunft wirklich sichern wollen, dann müssen Bildungschancen, Pflege, Bürgerversicherung, Anhebung des Mindestlohns, Bekämpfung prekärer Beschäftigung, Wuchermieten, Wohnungsbau und faire Steuern zu unseren Topthemen werden.

Dies ist vor allem auch die Aufgabe der SPD, die ebenfalls zu wenig für mehr Gerechtigkeit getan hat. Allein deshalb muss sie sich dringend erneuern und darf sich nicht wieder von der Union mit Pflastern abspeisen lassen, während die oberen 10 Prozent weiter entlastet werden.

Papst Franziskus sagte in seiner Weihnachtsbotschaft vor einem Jahr: „Wenn die Politik wirklich den Menschen dienen sollte, darf sie nicht Sklave der Wirtschaft und Finanzwelt sein“. Wie Recht er hatte. Und wie wenig sich diesbezüglich in 2017 bewegt hat. 2018 müssen wir endlich anfangen, dies zu ändern.